Washington - Unter der Überschrift "Das Fließband, das Ford vergessen möchte" werden Häftlinge in gestreiften KZ-Uniformen gezeigt, die für Ford Deutschland Zwangsarbeit leisten mussten. Firmengründer Henry Ford wird abgebildet, als er 1938 die Nazi-Auszeichnung Großkreuz des Deutschen Adlerordens entgegennahm. "Sie behandelten uns wie die Tiere", klagt ein ehemaliger Zwangsarbeiter, der während des Zweiten Weltkrieges für den Autobauer schuften musste.
Unter der Zeile "Bayer's größter Kopfschmerz" waren am Vortag eine Aspirin-Flasche, ein Foto des KZ-Arztes Josef Mengele und Zwangsarbeiter bei I. G. Farben gezeigt worden, damals Muttergesellschaft von Bayer.
Mengele und andere Ärzte hätten Bayer-Medikamente an KZ-Häftlingen erprobt, die gegen ihren Willen als Testpersonen missbraucht worden waren, hieß es in der Anzeige. Viele der Betroffenen seien während der Versuche umgekommen.
Schon im Krieg habe sich die Firma knauserig gezeigt: "Bayer (schacherte) über den Gestellungspreis für 150 weibliche Gefangene, an denen ein Schlafmittel getestet werden sollte. Bayer fand 80 Dollar pro Häftling zu viel. Schließlich bekamen sie sie für weniger."
"Mercedes-Benz - Design. Leistung. Zwangsarbeit" hatten die Urheber der Kampagne, B'nai B'rith International, der Amerikanische Jüdische Kongress, die Deutsche Vereinigung für die Information und Unterstützung von Nazi-Verfolgten sowie dem Verband Polnischer Zwangsarbeiter im Dritten Reich am Montag getitelt. Sie warfen dem Konzern vor, Zehntausende von Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg ausgebeutet zu haben.
"Daimler-Benz verlangte aggressiv und erhielt so viele Wegwerf-Zwangsarbeiter wie möglich. Daimler-Benz-Aufseher begingen zusammen mit SS-Mitgliedern fortgesetzt brutale Vergehen an diesen Menschen, Inhaftierungen, Folterungen, Morde", hieß es in der Anzeige. Angesichts eines Kapitals von 143 Milliarden Dollar dürfte es dem Unternehmen nicht schwer fallen, seine Opfer jetzt "angemessen zu entschädigen".
"Die Gesellschaften, die uns ausgebeutet haben und die in völkermörderischer Partnerschaft mit der SS unsere Freunde und Verwandten ermordeten, sind (damit) reich geworden. ... Sie sind unzählige Milliarden wert", sagte Rudy Kennedy, ein in London lebender Überlebender des Holocaust. Er und seine Leidensgenossen werfen den Firmen vor, sie auch diesmal wieder mit Almosen abspeisen zu wollen und ansonsten auf den baldigen Tod der inzwischen hochbetagten ehemaligen KZ-Insassen zu spekulieren.
Bayer-Sprecher Thomas Reinert erklärte zu der Kampagne, das Unternehmen lehne jede rechtliche Verantwortung für etwaige Geschehnisse unter der Nazi-Diktatur und die I.G. Farben ab. Doch sei sich Bayer der menschlichen Verantwortung bewusst und beteilige sich deshalb auch an den Gesprächen über Entschädigungen.
Ein Ford-Sprecher in Dearborn im US-Staat Michigan sagte lediglich, das Unternehmen untersuche die Vorgänge in seiner deutschen Tochterfirma nach deren Übernahme in deutsche Verwaltung im Krieg. Es unterstütze humanitäre Initiativen, weil man dies tun müsse.
Die Anwälte der NS-Opfer drohten, die Anzeigenkampagne mit aller Härte fortzuführen, wenn sich diese nicht zu einem fairen Kompromiss bereitfänden.
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