New York - Das Computersystem bei Wal-Mart bietet den Konzernplanern verführerische Möglichkeiten. Jedes Detail lässt sich planen, der Warenfluss genau beobachten und Nachfragespitzen unmittelbar parieren. Natürlich lassen sich auch die Schichtpläne der Mitarbeiter flexibel gestalten. So soll auch bei vollen Läden stets ein Ansprechpartner für den Kunden zur Stelle sein, in nachfrageschwachen Zeiten kommt entsprechend weniger Personal in die Läden.
Wal-Mart-Filiale im Bundesstaat Illinois: "Ist das gut für die Mitarbeiter? Ich glaube nicht."
Die Umstellung habe Wal-Mart bereits im vergangenen Jahr eingeleitet, berichtet die Zeitung weiter. Dazu seien in den Wal-Mart-Filialen Fragebögen verteilt worden, auf denen die Vollzeit-Kräfte und die stundenweise beschäftigten Mitarbeiter angeben könnten, zu welchen Tageszeiten sie verfügbar sind. In einem Merkblatt werde darauf hingewiesen, dass "wenn irgend möglich" die Bereitschaft zur Arbeit an jedem Wochenende erklärt werden sollte. "Wenn Sie Ihre persönliche Verfügbarkeit eingrenzen, gehen Sie das Risiko ein, dass die Zahl der Stunden, die Sie gebucht werden, geringer ausfällt", zitiert das "WSJ" aus dem Firmendokument.
Teures Herumstehen passé?
Das Beispiel könnte Schule machen. Mehrere andere große Einzelhandelsketten nutzen für die Arbeitsplanung und die Warenwirtschaft inzwischen modernste Computernetzwerke. Das von Wal-Mart eingesetzte Programm des Softwareherstellers Kronos ermöglicht es, die Kundenströme über mehrere Wochen hinweg detailliert nachzuvollziehen und daran die Tagesplanung für die Arbeitsschichten auszurichten. Natürlich sind so auch Vorhersagen über die zu erwartende Zahl der Arbeitskräfte etwa im vergleichbaren Zeitraum des Folgejahres möglich. Überflüssiges - und damit "unnötig bezahltes" Herumstehen jedenfalls ist, folgt man den Versprechungen der Kronos-Programmierer, endgültig passé.
Kritiker befürchten, dass das System mannigfaltige Möglichkeiten bietet, um die Entlohnung der Angestellten zu drücken. Das betrifft vor allem die Stundenkräfte, die künftig ihren eigenen Tagesablauf kaum noch planen können, wenn sie auf Abruf bereit stehen sollen und nur zu Spitzenzeiten erscheinen sollen. Das Einkommensrisiko liege in Zukunft voll auf Seiten der Arbeitnehmer, sagte ein Analyst dem "WSJ". "Die Betroffenen wissen am Monatsanfang nicht, ob sie genug Geld verdienen werden, um ihre Miete zu bezahlen."
Aber auch die Festangestellten müssen sich auf harte Zeiten einstellen. In US-Arbeitsverträgen seien vielfach Bonuszahlungen an die Ableistung einer bestimmten Zahl von Überstunden gekoppelt, schreibt die Zeitung. Auf Basis der computergestützten Planung könnten die Controller die Schichteneinteilung in Zukunft so austarieren, dass viele knapp unter der entscheidenden Marke für Bonuszahlungen blieben. Die daraus resultierenden Einkommenseinbußen seien durchaus erheblich.
Kenneth Dalto, ein Managementberater aus Farmington Hills, bringt es gegenüber dem "WSJ" auf den Punkt: "Früher waren die Arbeitskosten eine fixe Größe, heute sind sie es nicht mehr. Ist das gut für die Mitarbeiter? Ich glaube nicht."
mik
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