22. Januar 2007, 16:39 Uhr

Zeitungsmanager

"WAZ"-Verleger Erich Schumann ist tot

"WAZ"-Miteigentümer und Geschäftsführer Erich Schumann ist tot. Der Jurist starb am Sonntag im Alter von 76 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. Schumann hatte den Verlag zusammen mit Günther Grotkamp zu einem der größten deutschen Medienkonzerne ausgebaut.

Essen - Schumanns Weg an die "WAZ"-Spitze war keineswegs vorgezeichnet: Weder gehörte er von Geburt einer der Gründerfamilien an, noch besaß er eine Vorliebe für das Verlagsgeschäft. Aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammend - der Vater war ein einfacher Kaufmann - entschied sich der junge Mann für die Juristerei mit Schwerpunkt Steuern. Nachdem er beide Staatsprüfungen erfolgreich abgelegt hatte, stieg der erst 30-Jährige zum Seniorchef einer Bonner Sozietät für Wirtschaftsrecht auf.

Früh war Schumann der SPD beigetreten. In der Partei startete er seine erste Karriere. Er vertrat die Genossen vor Gericht oder Untersuchungsausschüssen und stand sowohl Herbert Wehner als auch Willy Brandt mit Rat und Tat zur Seite. Als Syndikus der Sozialdemokraten erwarb sich Schumann hohes Ansehen. Die entscheidende Wende aber erfuhr sein Leben, als "WAZ"-Patriarch Erich Brost sich 75-jährig entschloss, in den Ruhestand zu treten.

Seit dem Ende der siebziger Jahre hatte Brost senior versucht, seinen leiblichen Sohn Martin als Nachfolger aufzubauen - mit eher mäßigem Erfolg. Zwar mühte sich der Filius tapfer, ein veritabler Verleger zu werden. Den Ansprüchen des Vaters konnte der studierte Philosoph, der sich vorübergehend als Ökogärtner verdingte und für fernöstliche Religionen begeisterte, indessen nie genügen.

Auf Drängen des Alten musste der Junior Erich Schumann an Bord holen. Bei dem witterte Erich Brost nicht nur den richtigen "Stallgeruch". Ihm traute er zu, die ständigen Auseinandersetzungen mit dem Funke-Clan, genauer gesagt mit deren Statthalter Günther Grotkamp, durchzustehen und sein "publizistisches Erbe" nach außen hin angemessen zu vertreten. 1978 rückte Schumann in die Chefetage des Konzerns ein. Martin Brost gab sich geschlagen und sein Erbteil - den 50-Prozent-Anteil am Unternehmen - zurück.

Familienmitglied durch Adoption

Ein paar Jahre später stimmte Martin Brost einem weiteren Entschluss des Vaters zu: 1985 adoptierte Brost senior den "Wunschsohn" Erich Schumann - um den möglichst steuersparenden Erhalt seines Lebenswerks zu sichern.

Seines Erbes erwies sich Schumann allemal als würdig. Gemeinsam mit Grotkamp ließ er keine Chance aus, die "WAZ"-Gruppe größer und profitabler zu machen. Im "WAZ"-Imperium agierte er mindestens so gekonnt wie einst Gründerchef Brost. Seit Februar 2002 agierte Schumann allerdings nicht mehr allein. Da trat der frühere Kanzleramtschef und Balkan-Beauftragte Bodo Hombach seine Stellung als Geschäftsführer und Vertreter des Brost-Zweiges bei der "WAZ"-Gruppe an.

Geschäftsführer des Funke-Stammes ist derzeit noch Detlef Haaks, dessen Amtszeit Ende März ausläuft. Beide Stämme, die je 50 Prozent der Verlagsanteile halten, können bis zu zwei Geschäftsführer stellen.

In der "WAZ"-Gruppe erscheinen 38 Tageszeitungen, darunter die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", sowie 108 Publikums- und Fachzeitschriften und 133 Anzeigenblätter. Der Umsatz wird auf rund zwei Milliarden Euro geschätzt.

itz/mm.de/dpa/Reuters


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