16. März 2007, 16:15 Uhr

Airbus-Aktionstag in Europa

Alle gegen oben - jeder für sich

Zehntausende Demonstranten, Menschenkette gegen das Airbus-Management, solidarische Politiker - für die Gewerkschaften war es ein guter Tag. Der Aktionstag gegen "Power 8" kaschiert, dass Deutsche und Franzosen im Konzern mehr gegeneinander kämpfen als Seit an Seit.

Hamburg/Paris - Allein in Hamburg hätten sich bis zu 20.000 Beschäftigte von Airbus und Zulieferfirmen an dem europaweiten Aktionstag beteiligt, jubelte die IG Metall. Von allen deutschen Standorten seien Mitarbeiter nach Hamburg gekommen. In keinem der sieben Werke in der Bundesrepublik sei regulär gearbeitet worden. Auch für schöne Bilder war gesorgt: Der Tag stand etwa in Laupheim unter dem Motto "Ein Herz für Airbus". Tausende von Holzherzen waren in den Boden gesteckt worden - für jeden Mitarbeiter eins.

Allerdings ist die Arbeiterfront gegen den Airbus-Sanierungsplan "Power 8" nicht mehr ganz so geschlossen, wie die Arbeitnehmervertreter das vermitteln wollen. Stattdessen ist mancherorts auch Resignation zu spüren. Er glaube nicht, dass Proteste noch etwas ausrichten können, sagte ein Hamburger Airbus-Mitarbeiter der Nachrichtenagentur ddp, der seinen Namen nicht nennen wollte. Er selbst wolle an der Aktion nicht teilnehmen, das bringe gar nichts, erklärte der Flugzeugbauer. Er müsse arbeiten, schließlich habe es schon genügend Verzögerungen gegeben. Aus anderen Werken, die zum Verkauf stehen, ist von Mitarbeitern zu hören, dass nicht alle etwas gegen neue Besitzer hätten. Schließlich brächten die vielleicht frischen Wind.

Aus Paris meldete die Nachrichtenagentur AP gar, dass die geplante Massendemonstration zur traurigen Veranstaltung mit gerade einmal hundert Teilnehmern geriet - und 50 davon seien aus Belgien angereist. Dabei sollte die vom Europäischen Metallgewerkschaftsbund EMB organisierte Veranstaltung in Paris eigentlich zum Symbol für den Eurostreik werden. "Wir wollen klar machen, dass EADS für die Airbuskrise mitverantwortlich ist", erklärte EMB-Generalsekretär Peter Scherrer. Dass so wenig Leute gekommen seien, sei aber ein rein "logistisches Problem. Und was sollen die Beschäftigten in Brüssel, wo sich kein Airbus-Standort befindet?" Den Demonstranten rief er zu: "Die Arbeiter sind nicht mehr isoliert an ihren Standorten. Gemeinsam rufen wir 'Nein zu Power 8'".

Doch von einem europäischen Protesttag konnte kaum die Rede sein. Die Aktionen blieben national, die ursprünglich geplante zentrale Kundgebung in Brüssel war wieder abgeblasen worden. Nach einem Bericht der Zeitung "Libération" hatte der französische Gewerkschaftsverband CFE-CGC ein Flugblatt in Umlauf gebracht, in dem mit zynischen Worten das Hamburger Werk für die Probleme mit dem A380 verantwortlich gemacht wurde. Die Deutschen Gewerkschaftsvertreter waren dementsprechend sauer.

Trotzdem dürften die heutigen Proteste das Airbus-Management nicht unbeeindruckt lassen. Denn an den einzelnen Airbus-Standorten fuhren die Mitarbeiter ordentlich auf, die Produktion stand zum Großteil still. Und hochrangige Politiker schlugen sich mit teils ungewöhnlich klaren Worten auf die Seite der Demonstranten.

"Ich sehe nicht ein, dass die Manager die Fehler machen und die Arbeiter für die Fehler am Ende bezahlen müssen", erklärte etwa der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) in Hamburg. "Wir stehen an ihrer Seite." Die Politik werde alles tun, um die Hochtechnologie-Standorte in Deutschland zu retten. Das Sanierungsprogramm "Power 8" sei fehlerhaft und reiche nicht aus. Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger warf in seiner Rede der Konzernführung schwere Fehler vor. "Am Fleiß und am Einsatz der Arbeitnehmer liegt es nicht, dass Airbus in der Krise steckt." Die Politik werde den "friedlichen, aber harten Kampf" der Gewerkschaften in ganz Europa tatkräftig unterstützen. Von der Airbusspitze forderte Oettinger Klarheit über Details der geplanten Sanierung und Nachbesserungen an "Power 8". Die Manager müssten nun "die Karten auf den Tisch legen". Er sehe nicht ein, was der Verkauf einzelner Werke bringen soll.

Vor der Airbus-Firmenzentrale in Toulouse-Blagnac versammelten sich unterdessen laut Gewerkschaften etwa 7000 Personen. Die Polizei sprach von 5500. "Das ist ein Erfolg. Wir sind 7000, um unserer Stimme Ausdruck zu verleihen und um unser Unternehmen zu verteidigen, das in Gefahr ist", sagte der französische Co-Präsident des europäischen Airbus-Betriebsrats, Jean- François Knepper. "Weg mit Power 8", rief er der applaudierenden Menge zu. "Der Plan will Airbus zerschlagen. Ziel der Direktion ist es, Airbus stückchenweise zu verkaufen", kritisierte er. Beim Treffen des Europäischen Betriebsrats am kommenden Montag würden die Arbeitnehmervertreter fordern, auf eine Veräußerung der gefährdeten Airbus-Werke zu verzichten und die Arbeitsplätze zu erhalten. Sollte die Airbus-Führung keine der Forderungen der Arbeitnehmer berücksichtigen, sei sie für den weiteren Konflikt verantwortlich. Die französischen Gewerkschaften wollen, wenn nötig, ihre Aktionen verschärfen. "Wir erwarten von der Direktion wirkliche Verhandlungen."

Immerhin: Unter den Demonstranten in Toulouse waren auch rund 20 Airbus-Mitarbeiter aus Deutschland, die die Gewerkschaftsflagge der IG-Metall schwenkten. Ob es den Mitarbeitern aber tatsächlich noch gelingt, große Änderungen durchzusetzen, dürfte angesichts der deutsch-französischen Friktionen fraglich sein. Und das Engagement der beteiligten Politiker ist nicht unbedingt symbolisch für die Haltung der deutschen Regierung. Das Bundeswirtschaftsministerium ließ heute schon einmal vorsichtig erklären, die Bundesregierung begrüße "Power 8" so wie es beschlossen sei. Nun liefen die Umsetzung und die Gespräche mit den Unternehmen.

ase/dpa/AFP/AP/ddp


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