03. Juli 2007, 19:04 Uhr

Bahn-Chaos

Gewerkschaften starten neue Streikwelle vor Gipfel mit Mehdorn

Zwei von drei Gewerkschaften treffen Bahnchef Hartmut Mehdorn schon am Mittwoch zum Spitzengespräch - vorher spielen sie aber noch mal ihre Macht aus. Massive Warnstreiks sind geplant, die Fahrgäste müssen sich erneut für Verspätungen wappnen.

Berlin - "Wir sind zu Gesprächen bereit, die dazu dienen, eine weitere Eskalation des Tarifkonflikts zu vermeiden", sagte Norbert Hansen, Chef der Gewerkschaft Transnet. Wie Transnet und GDBA am Abend mitteilten, soll das Treffen der beiden Gewerkschaftsvorsitzenden Hansen und Klaus-Dieter Hommel mit Mehdorn um 11 Uhr in Berlin stattfinden. Ungeachtet dessen sollen die Warnstreiks unvermindert fortgesetzt werden. Insgesamt an 13 Standorten soll es Aktionen geben.

Die massivsten Störungen soll es rund um Kassel, Mainz und Wiesbaden geben. In Mecklenburg-Vorpommern werde der Raum Stralsund betroffen sein, in Sachsen-Anhalt der Raum Halle, teilte Transnet mit. Auch im brandenburgischen Potsdam werde es zu Arbeitsniederlegungen kommen. Warnstreiks seien auch im Güterverkehr geplant. Dort soll der Schwerpunkt im Raum Nürnberg liegen.

Die drei Bahn-Gewerkschaften GDL, Transnet und GDBA hatten schon am Dienstag mit über den ganzen Tag verteilten Arbeitsniederlegungen den Bahnverkehr in Deutschland stark beeinträchtigt. In vielen Städten kam der Verkehr über den Tag verteilt teilweise vollständig zum Erliegen.

Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte den Gewerkschaften daraufhin neue Gespräche angeboten - allerdings kein neues Angebot in Aussicht gestellt. Bereits morgen soll ein Treffen mit Vertretern der Deutschen Bahn, Transnet und der GDBA stattfinden, ursprünglich war das erst für Donnerstag geplant. Mehdorns Bedingung war, dass sich alle Parteien gemeinsam an einen Tisch setzen. Genau dies hat die GDL bislang immer abgelehnt. Mehdorn machte außerdem deutlich, dass er die Warnstreiks für "völlig unverständlich und inakzeptabel" halte. Die Warnstreiks kosteten das Unternehmen jeden Tag einen "zweistelligen Millionenbetrag".

"Wir werden an diesem Gespräch teilnehmen und unsere Zusage liegt vor", sagte der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel im Bayerischen Rundfunk. Sprecher Uwe Reitz betonte aber, man erwarte von Mehdorn substanzielle Bewegung, die dann in neue Verhandlungen münden könne. "Nur für Kaffee und Kuchen kommen wir nicht nach Berlin." Auch von der Gewerkschaft Transnet, die mit der GDBA eine Tarifgemeinschaft bildet, hieß es, man werde teilnehmen. Die Warnstreiks wollen beide Organisationen bis dahin fortsetzen, die GDL will bis Donnerstag aussetzen.

Nach anfänglichem Zögern zeigte sich auch die GDL zu einem Gespräch bereit. GDL-Chef Manfred Schell betonte allerdings im Bayerischen Rundfunk, dass Mehdorn nicht zu Tarifverhandlungen, sondern lediglich zu Gesprächen eingeladen habe. Schell äußerte zugleich die Hoffnung, dass das Treffen in Tarifverhandlungen münde. Dann sei auch mit einem Ende der Streiks zu rechnen. Die GDL pochte bislang auf getrennte Verhandlungen mit dem Konzern, weil sie einen eigenen Tarifvertrag verlangt und ihre Forderung von bis zu 31 Prozent mehr Lohn deutlich über den Lohnforderungen der anderen Gewerkschaften liegt.

Mehdorn bezeichnete die Forderung als "irrwitzig und nie zu erfüllen". Er warf der GDL "erpresserische Maßnahmen" vor. Die GDL-Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag werde die Bahn nicht hinnehmen. "Wir werden eine Spaltung der Mitarbeiter nicht akzeptieren", sagte er.

sam/AP/Reuters/dpa/AFP


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