Berlin - Am Ende ging alles ganz schnell: Um 15 Uhr am Nachmittag teilte Vattenfall mit, Rauscher habe seinen Rücktritt angeboten. Darüber müsse nun der Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung entscheiden. Eine Stunde später stand offiziell fest: Rauscher geht, der Vattenfall-Vertriebsvorstand Hans-Jürgen Cramer übernimmt dessen Aufgaben - erst einmal.
Manager Rauscher: Zuletzt Kritik sogar von der Kanzlerin
Rauscher selbst räumte ein, Vattenfall Europe habe im Zuge der Pannenserie in den norddeutschen Kraftwerken Krümmel und Brunsbüttel Schaden genommen. Dafür müsse er die Verantwortung tragen.
Rauscher ist das bisher höchstrangige Opfer der Pannenserie Ende Juni. Brunsbüttel war wegen eines Kurzschlusses tagelang nicht am Netz. In Krümmel löste ein Feuer an einem Transformator eine Kette von Zwischenfällen aus. Obwohl Notsysteme ansprangen, steht Krümmel noch immer still. Der Konzern hatte nur scheibchenweise über die Details informiert.
Heute führte Vattenfall in Brunsbüttel einen Ölwechsel im Trafo durch, der auf Empfehlungen der Atomaufsicht aus dem Jahr 2006 zurückgeht - dafür war das Kraftwerk schon wieder unplanmäßig heruntergefahren worden.
Die Bauernofer vom Montag waren nicht genug
Am Montag hatte Vattenfall Deutschland bereits Atomenergie-Chef Bruno Thomauske geschasst. Auch Johannes Altmeppen, Leiter der Unternehmenskommunikation in Deutschland, musste gehen. Dies hatte aber nicht ausgereicht, um die Kritik am Umgang des Konzerns mit den Zwischenfällen zum Verstummen zu bringen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel warf Vattenfall heute "dramatische Fehler" in der Informationspolitik vor. "Deswegen hält sich da mein Mitleid auch wirklich in Grenzen, wenn die Wirtschaft kritisiert wird", sagte sie vor Journalisten in Berlin.
Rauscher, 58, war noch vor zwei Jahren als "Energiemanager des Jahres" geehrt worden. Er hatte seine Karriere zunächst als Ministerialbeamter in Bayern begonnen und unter dem früheren Ministerpräsidenten Max Streibl die Staatskanzlei geleitet. Ende 2001 wechselte er als Vorstandschef zum regionalen Stromversorger HEW in Hamburg, der später von Vattenfall übernommen wurde.
itz/Reuters /dpa-AFX/AP
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