17. September 2007, 15:56 Uhr

Krach um Mitbestimmung

VW-Betriebsrat reicht Klage gegen Porsche ein

Der Streit zwischen dem VW-Betriebsrat und Großaktionär Porsche eskaliert. Die Arbeitnehmervertreter haben heute Klage eingereicht. Der Vorwurf: Die Mitbestimmungsregeln der neuen Porsche Automobil Holding gingen zu Lasten der VW-Belegschaft.

Wolfsburg/ Stuttgart – Der VW-Betriebsrat setzt auf ein Stopp in letzter Minute: Er stellte heute einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Eintragung der Porsche Holding ins Handelsregister. Gleichzeitig reichten die Arbeitnehmervertreter Klage ein. Die Mitbestimmungsvereinbarung der neuen Dachgesellschaft beinhalte Regelungen, die zu Lasten des Mitspracherechts der VW-Belegschaft gingen, sagte ein Betriebsrats-Sprecher.

Porsche-Chef Wiedeking: Will VW so erfolgreich machen wie Toyota
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Porsche-Chef Wiedeking: Will VW so erfolgreich machen wie Toyota

Unter der Porsche-Holding haben die Familien Piëch und Porsche ihre Aktivitäten bei dem Sportwagenbauer und bei Volkswagen gebündelt. Sollte Porsche eines Tages wie geplant 51 Prozent an VW besitzen, ist Volkswagen offiziell ein Teilkonzern dieser Dachgesellschaft. So wie die Mitbestimmung derzeit aber geregelt ist, würden nach SPIEGEL-Information dann nur drei VW-Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat der Holding einziehen. Ihnen stünden drei Kollegen von Porsche gegenüber - obwohl Porsche gerade einmal 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, während die VW-Belegschaft 300.000 Mann zählt.

"Wir wollten diese Fragen in Gesprächen mit Herrn Wiedeking erörtern", erklärte der VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh der "Berliner Zeitung". "Da wir aber bis heute auf einen Terminvorschlag warten, haben wir Klage beim Arbeitsgericht in Stuttgart eingereicht."

Die Angst um Einfluss ist den VWlern nicht zu verdenken. Bei Porsche und VW prallen zwei vollkommen unterschiedliche Unternehmenskulturen aufeinander. Bei Porsche geht es hart zur Sache zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern - die Auseinandersetzungen sind Betriebsrat Uwe Hück zufolge "nichts für Weicheier". Porsche-Chef Wiedeking ist seinen Worten zufolge "so knauserig, dass er sich am zweiten Advent mit einer Kerze vor den Spiegel stellt." Allerdings akzeptiert Hück, dass alle Porsche-Modelle profitabel sein müssen.

Bei VW dagegen herrschte jahrelang ein friedliches Miteinander zwischen Arbeitnehmervertretern und Chefetage. Das Management nahm den teuren Haustarifvertrag hin, der Betriebsrat akzeptierte dafür die zahlreichen Luxusprojekte bei VW.

"Die Zeit teurer Spielzeuge ist vorbei"

Seit dem Einzug von Porsche ist bei Europas größtem Autobauer allerdings nichts wie gehabt. Wiedeking will VW so erfolgreich machen wie den japanischen Konkurrenten Toyota. Im Aufsichtsrat spielt er deshalb gerne den Bad Cop. Er wirft den VW-Oberen vor versammelter Mannschaft wenig schmeichelhafte Fakten an den Kopf, bohrt nach den Gründen für die miesen Geschäfte in Brasilien und mäkelt über die schwache Präsenz in Asien. Gleich zu Beginn seiner Karriere im Haus erklärte er, es dürfe keine unprofitablen Marken und Modelle mehr geben: "Die Zeit der teuren Spielzeuge ist vorbei." Die Attacke zielte eindeutig auf Marken wie Bugatti und Bentley ab, die ihre Investitionskosten innerhalb des nächsten Jahrzehnts aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr einspielen werden.

Was der VW-Belegschaft blüht, wenn Porsche einmal endgültig das Sagen hat, ließ etwa der Streit um das Brüsseler Werk ahnen. Wäre es nach Wiedeking gegangen, wäre die Fabrik geschlossen worden. Die Produktion sollte seinen Wünschen zufolge auf die deutschen Werke übertragen werden. Allerdings wurde im letzten Moment dann doch noch beschlossen: Brüssel bekommt den geplanten Audi-Kleinwagen A1.

Beim angeschlagenen Karosseriebauer Karmann dagegen setzten sich Wiedeking und sein Adjutant, Porsche-Finanzvorstand Holger Härter, schon durch. Volkswagen könnte bei Karmann ein Sondermodell bauen und so die Arbeitsplätze dort sichern, so lautete die Diskussion. Doch die beiden Porsche-Vertreter stellten sich quer.

ase/dpa/ddp


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