Von Susanne Amann
Hamburg - Manchmal klingen Verteidigungsreden absurd, obwohl sie der Wahrheit sehr nahe kommen: "Unglücklicherweise liegen die Öl- und Gasreserven der Welt nicht immer in Demokratien", schreibt der französische Ölkonzern Total auf seiner Internetseite. "Deshalb sind Ölgesellschaften, die mit diktatorischen Regimen Geschäfte machen, häufig heftiger Kritik ausgesetzt." Trotzdem sei man überzeugt, dass man mit seinem Engagement den Alltag von zehntausenden Menschen verbessere.
Demonstranten auf den Philippinen: Weltweit wird Solidarität mit Burma gezeigt
Ein Drittel der Bevölkerung Burmas lebt unterhalb der Armutsgrenze und muss mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen - und das, obwohl das Land über Ressourcen verfügt, nach denen es viele gelüstet: Öl und Gas. Laut dem aktuellen Länderbericht des Ostasiatischen Vereins (OAV) sind bisher drei große Offshore-Gas- und Ölvorkommen und 19 Vorkommen im Land identifiziert.
China hat die besseren Karten
Die gesamten Bestände belaufen sich nach offiziellen Statistiken auf 2,46 Billionen Kubikmeter Gas und 3,2 Milliarden Barrel förderwürdiges Rohöl. "Das ist beträchtlich und einer der Gründe, warum sich China und Indien derzeit mit einer Verurteilung Burmas so zurückhalten", sagt OAV-Geschäftsführerin Monika Stärk.
Derzeit hat China noch die besseren Karten: Das Land - neben Singapur der größte Handelspartner Burmas - besitzt weitreichende Ausbeutungsrechte im Westen des Landes und plant den Transport per Pipeline nach Südchina. Das lässt sich das chronisch klamme Regime mit 300 Millionen US-Dollar jährlich bezahlen. Im April hat es außerdem ein Abkommen mit einem russisch-singapurischen Konsortium über die Förderung von Erdöl und Gas im Nordwesten des Landes geschlossen.
"Der Norden des Landes ist schon heute wirtschaftlich fest in chinesischer Hand", sagt Stärk vom OAV. Dabei geht es vor allem um Teakhölzer, neben Gas das meist exportierte Gut. Das Holz wird über China ausgeführt - ein Teil offiziell, ein anderer Teil inoffiziell. "Außerdem besitzt Myanmar große Edelsteinvorkommen, die verarbeitet und exportiert werden", sagt Stärk. Das Geschäft werde allerdings stark von den Generalsfamilien kontrolliert.
"Konzeptlose Wirtschaftspolitik"
Tatsächlich kommt bei den normalen Bürgern Burmas von dem eigentlichen Reichtum des Landes nichts an. Offiziellen Zahlen zufolge verfügt das Land zwar über ein Wachstum von 12,3 Prozent - Experten halten das aber für unrealistisch. Noch immer macht die Landwirtschaft mehr als 50 Prozent der Wirtschaft aus, der Anteil der verarbeitenden Industrie liegt nur bei 15 Prozent.
Exporte aus Burma als Grafik: Gas und Teakholz sind die Verkaufsschlager
Wegen der vom OAV als "konzeptlos" bezeichneten Wirtschaftspolitik herrscht in vielen Bereichen Unterversorgung, die einheimische Industrie hat kaum eine Chance. Das liegt auch daran, dass zum Beispiel nur 20 Prozent der erzeugten Energie ins eigene Land fließen, der Rest wird exportiert. Etwa nach Thailand, das seit neuestem mit Strom aus Wasserkraftwerken beliefert wird. Die Folge: Im Frühjahr 2007 war Strom in Burma teilweise nur vier Stunden am Tag erhältlich.
Aber auch die notwendige Infrastruktur fehlt: Straßen und Brücken sind löchrig oder gar nicht vorhanden - und werden erst jetzt mit Geldern aus China oder Indien gebaut. "Auch für Bildung gibt es weder ein Konzept noch Geld", kritisiert Asien-Expertin Stärk. Zeitweise seien sogar die Universitäten über Jahre geschlossen gewesen. Wirtschaftssanktionen hält sie deshalb für den falschen Weg: "Sie treffen die Machthaber nicht, sondern nur die Menschen. Wir müssen die stärken, die etwas aufbauen können: die Wirtschaft und eine Zivilgesellschaft."
Wie ein Keil zwischen den Großmächten
Der wachsende Einfluss Chinas zeigt sich aber nicht nur in den Handelszahlen. "Von China inspiriert und weitgehend gesteuert sind Pläne zur Errichtung von sechs Freihandelszonen", heißt es in dem Bericht des OAV. Vorgesehene Standorte sind der Hafen von Thilawa Port bei Rangun und Kyaukphuy im Rakhine-Staat mit chinesischem Investment sowie Hpa-an, Mawlamyaing und Myawaddy für thailändische Investoren und ein Technologiepool in Pyin Oo Lwin. "Die Rolle Chinas ist unter wirtschaftlichen Aspekten durchaus positiv für das Land", sagt OAV-Chefin Stärk.
Karte von Burma: Wie ein Keil zwischen Indien und China
Tatsächlich wäre für China der schnelle Zugang zum Indischen Ozean viel wert. Es würde Containern und Tankschiffen den langen Umweg über das Südchinesische Meer und die Straße von Malakka bei Singapur ersparen. Und damit den Import und Export von Waren erleichtern.
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