04. Oktober 2007, 14:54 Uhr

Tarifkonflikt

Bundesweiter Lokführer-Streik beginnt um acht Uhr

Der Zeitplan steht: Morgen um acht Uhr will die Gewerkschaft der Lokführer ihren Streik starten. Für drei Stunden sollen die Züge stillstehen - flächendeckend, bundesweit. Die Bahn versucht, in letzter Minute vor Gericht dagegen vorzugehen, hat aber schon einen Notfallfahrpan ausgearbeitet.

Frankfurt am Main - Der Streik soll bundesweit umgesetzt werden, wie die Lokführergewerkschaft GDL mitteilte. "Sie müssen damit rechnen, dass alles steht", sagte eine GDL-Sprecherin SPIEGEL ONLINE.

Sollte die Bahn nicht einlenken, würden die Arbeitsniederlegungen in der kommenden Woche fortgesetzt, kündigte die Gewerkschaft an. "Unsere Mitglieder sind nicht länger bereit, bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf ein vernünftiges Angebot zu warten", erklärte der GDL-Bundesvorsitzende Manfred Schell.

Bahn-Fahrgäste (in Leipzig): Nur zwei Drittel der Fernzüge sollen fahren
REUTERS

Bahn-Fahrgäste (in Leipzig): Nur zwei Drittel der Fernzüge sollen fahren

Allerdings könnte das Arbeitsgericht Chemnitz die Streikpläne noch mit einer Eilentscheidung durchkreuzen. Die Juristen sollen noch heute über eine einstweilige Verfügung der Deutschen Bahn befinden.

Die Bahn will ungeachtet der Gerichtsentscheidung einen reduzierten Fahrplan umsetzen. Von den täglich etwa 750 Fernverkehrszügen werden demnach rund zwei Drittel fahren, vor allem die ICE-Züge. Ausfallen können dagegen Intercity-Verbindungen. Im Regionalverkehr und bei der S-Bahn sei geplant, bis zu 50 Prozent der Züge zu fahren, sagte ein Sprecher. "Die Eisenbahn wird nicht stehenbleiben", lautet die Parole von Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch.

Die GDL-Sprecherin glaubt nicht an die Versicherungen der Bahn. "Das sollen sie mal versuchen", kommentierte sie. Güterzüge, die am Freitag ihr Ziel nicht erreichten, würden am Wochenende weitergefahren. Auf die Frage, welche Lokführer auf den Zügen eingesetzt würden, antwortete der Sprecher. "Wir haben auch andere als GDL-Lokführer." Der Fahrplan soll am Freitag ab Betriebsbeginn gelten.

Eingesetzt werden auch Führungskräfte

Für die Kunden wird bei den Fahrkarten die Zugbindung aufgehoben, so dass die Fahrgäste auch eine andere als die bezahlte Verbindung nutzen können. Für ausgefallene Fahrten werde bis Ende Oktober das Geld erstattet. Züge und Fahrzeiten seien ab heute, 18 Uhr, im Internet verfügbar. Darüber hinaus würden alle Mitarbeiter in den Bahnhöfen über den Sonderfahrplan informiert.

Eingesetzt werden sollen mehr als 1000 zusätzliche Mitarbeiter, um Streikfolgen zu mindern, darunter auch Führungskräfte. Sie sollen in Bahnhöfen Reisende informieren oder in Netzleitzentralen helfen.

GDL-Chef Schell forderte die Bahn unterdessen auf, sich zu bewegen und der GDL bis Anfang nächster Woche ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. "Sollte sie dies nicht tun, muss sie sich auf einen weiteren Arbeitskampf einstellen." Der Ausstand könne dann in der kommenden Woche stattfinden. Die GDL will mit ihren Kampfmaßnahmen Lohnerhöhungen um bis zu 31 Prozent und einen eigenen Tarifvertrag für die Lokführer durchsetzen.

Schell warf dem Unternehmen außerdem vor, beamtete Lokführer einsetzen und sie zu Streikbrechern machen zu wollen. Die Außerkraftsetzung der Dienstpläne stelle rein rechtlich eine Arbeitskampfmaßnahme des Arbeitgebers dar. Dies habe zur Folge, dass die verbeamteten Lokführer nicht dazu verpflichtet seien, die Arbeit auszuführen. Die GDL biete allen betroffenen Beamten uneingeschränkten Rechtsschutz.

itz/sam/AP/dpa/Reuters


URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH