05. Oktober 2007, 14:41 Uhr

Gesichter des Streiks

Der verbeamtete Lokführer

Von Antonie Rietzschel, Bremen

"Die können leider nicht streiken", brüllt Lothar Bothe über den Lärm eines durchfahrenden Güterzuges hinweg. Der verbeamtete Lokführer hat sich extra Urlaub genommen, um am Streik teilzunehmen. Mit drei anderen Kollegen steht er auf Gleis sechs. Per Telefon koordiniert er die einzelnen Streikgrüppchen aus insgesamt 30 Leuten. Vor den Toren Bremens haben sie 15 Züge abgestellt, um den Zugverkehr zu behindern, die nach und nach in den Bahnhof einfahren. Dagegen könne man nun nichts machen, sagt Bothe.

Lokführer Bothe: "Einigen wurde mit Abmahnung gedroht"
Antonie Rietzschel

Lokführer Bothe: "Einigen wurde mit Abmahnung gedroht"

Er ist seit fünf Uhr auf den Beinen, hat Kollegen angerufen, um nachzufragen, ob sie noch zum Streik bereit sind. Einigen wurde mit Abmahnung gedroht. "Einem Kollegen wurde gesagt, dass er seinen Arsch bewegen solle, ansonsten könne er seinen Job vergessen", erzählt er.

Seiner Meinung nach hat die Deutsche Bahn ihren Streik indirekt unterstützt, indem Züge einfach gestrichen wurden. Er als Streikführer hätte gar nicht die Kapazitäten gehabt, um den Zugverkehr derart zu behindern.

Lothar Bothe schaut auf die große Uhr. Mittlerweile ist es halb elf. In einer halben Stunde wird er die Schilder einsammeln. Dann ist der Streik für heute vorbei. "Und dann werden wir erstmal einen Kaffee trinken und schauen, wie alles gelaufen ist."


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