09. Oktober 2007, 13:05 Uhr

Tarifstreit

Lokführer wollen vier volle Tage streiken

Die Lokführer erhöhen den Druck massiv: Gewerkschaftschef Schell hat für Donnerstag, Freitag, Montag und Dienstag neue Streiks im Nahverkehr angekündigt. Diesmal soll die Arbeit ganztägig niedergelegt werden.

Hamburg - GDL-Chef Manfred Schell sagte vor Journalisten in Königswinter, es sei "wahrscheinlich", dass Streiks an vier Tagen durchgeführt würden. Betroffen sei die Bahn-Tochter DB Regio, also der Nahverkehr und die S-Bahnen. "Diesmal werden wir uns nicht auf drei Stunden am Tag beschränken", sagte Schell. In einer Mitteilung der GDL heißt es: "Die Arbeitskämpfe werden den ganzen Tag dauern."

S-Bahn-Streik im Juli: "Erhöhte Schlagzahl"
DDP

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Wo genau gestreikt wird, soll jeweils am späten Nachmittag des Vortages angekündigt werden. Auch das stellt eine Verschärfung dar: Bisher hatte die GDL ihre Streikpläne 24 Stunden im Voraus bekanntgegeben. "Die erhöhte Schlagzahl hat Herr Mehdorn zu verantworten", erklärte Schell.

Ein GDL-Vertreter sagte SPIEGEL ONLINE, dass die Züge aber weiterhin in die Bahnhöfe fahren würden. Dass Fahrgäste auf offener Strecke mit ihrem Zug liegen blieben, sei ausgeschlossen.

Um 13 Uhr war heute ein Ultimatum abgelaufen, das die Lokführergewerkschaft GDL der Bahn gestellt hatte. Die Bahn hatte jedoch kein neues Angebot vorgelegt. Unmittelbar danach gab Schell sein Statement vor zahlreichen Fernsehkameras ab.

Dabei erhob der Gewerkschaftschef schwere Vorwürfe gegen den Bahn-Konzern. Das Unternehmen habe Mitarbeiter massiv bedroht, die sich bisher am Streik beteiligten. Die GDL werde dagegen vorgehen.

Es sei "unerträglich", wie die Bahn ihre Mitarbeiter einschüchtere, sagte Schell. Abmahnungen und Kündigungen seien zu unterlassen. Gegen Notfallmaßnahmen der Bahn erwäge die GDL rechtliche Schritte . Der Arbeitgeber wolle offenbar gar nicht mehr verhandeln, "sondern die GDL eliminieren", sagte Schell.

Für die Gewerkschaft hingegen bleibe die Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal "der Dreh- und Angelpunkt". Zuvor hatte der Vorstand der GDL in Königswinter getagt.

Das Arbeitsgericht Chemnitz hatte der GDL am vergangenen Freitag Streiks im Güter- und Fernverkehr untersagt. Wenn die Urteilsbegründung vorliegt, will die Gewerkschaft prüfen, ob sie Berufung einlegt.

Bahn-Personalvorstand Margret Suckale hatte am Montag erklärt, dass es kein neues Angebot geben werde. Die Bahn hatte zehn Prozent bei zwei Stunden Mehrarbeit pro Woche angeboten. Die GDL lehnt dies ab.

Schell appellierte an den Bund als Eigentümer der Bahn, seine Verantwortung wahrzunehmen und den von ihm bestellten Vorstand zu Verhandlungen mit der GDL zu drängen. Gleichzeitig signalisierte Schell Kompromissbereitschaft bei der Höhe der Entgelte: "Es war niemals unser Ziel, 31 Prozent zu realisieren. Wir sind verhandlungsbereit und werden im Kompromiss eine Lösung finden." Eine konkrete Forderung unterhalb von 31 Prozent, wie zunächst erwartet worden war, nannte Schell allerdings nicht.

Politiker forderten eine rasche Beilegung des Tarifkonflikts. Mehdorn und Schell müssten sich umgehend zu einem Spitzengespräch treffen, um weitere Streiks zu verhindern, sagte Karl-Heinz Daehre (CDU), der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz. Je länger der Streit anhalte, desto mehr schade er dem Wirtschaftsstandort Deutschland.

wal/dpa/AFP/AP/ddp


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