Berlin - Die Deutsche Bahn wird auf die von Donnerstag an zu erwartenden Lokführerstreiks nicht mit Ersatzfahrplänen reagieren. Solche Pläne könne man "nicht einfach auf Verdacht einrichten", sagte Bahn-Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch heute in Berlin. Dafür sei ein erheblicher zeitlicher Vorlauf nötig. Für die kommenden Tage schloss er eine solche Maßnahme daher aus, zumal die Ankündigung der GDL "vage" sei. Rausch kündigte allerdings an, dass das Personal für die kostenlose Service-Telefonnummer 0800-0 99 66 33 verstärkt werde.
Gewerkschaftschef Schell: Warnung vor Abmahnungen und Kündigungen
Die geplanten Arbeitsniederlegungen sollen laut Schell nun nicht mehr auf einige Stunden begrenzt werden, wie etwa am vergangenen Freitag, sondern ganztägig erfolgen. "Wir werden die Streikmaßnahmen rechtzeitig, und zwar am Tage davor, in den späten Nachmittagsstunden ankündigen", sagte Schell. Gleichzeitig warnte er die Bahn davor, die Lokführer mit "völlig unrechtmäßigen" Abmahnungen oder Kündigungen zu verunsichern. Hiergegen werde man rechtlich vorgehen.
Mit den Streiks will die Gewerkschaft die Bahn zurück an den Verhandlungstisch zwingen. Gleichzeitig appellierte Schell an den Bund als Eigentümer, seine Verantwortung wahrzunehmen und den von ihm bestellten Vorstand zu sagen, dass er mit der GDL in Verhandlungen treten möge. Dies sei keine unzulässige Einmischung in die Tarifautonomie, wie vom Bund behauptet. "Wir sind mittlerweile der Auffassung, dass der Arbeitgeber überhaupt nicht mehr mit uns verhandeln will, sondern dass er es darauf anlegt, die GDL zu eliminieren", betonte Schell.
Die GDL fordert einen eigenen Tarifvertrag für Lokführer und Zugbegleiter mit 31 Prozent höheren Entgelten. Hier signalisierte Schell Kompromissbereitschaft: "Es war niemals unser Ziel, 31 Prozent zu realisieren. Wir sind verhandlungsbereit und werden im Kompromiss eine Lösung finden." Eine konkrete geringere Forderung, wie zunächst erwartet worden war, nannte er allerdings nicht.
Bahnchef Hartmut Mehdorn lehnt einen eigenen Tarifvertrag weiter strikt ab und bietet bislang eine Tariferhöhung von 4,5 Prozent sowie eine Einmalzahlung von 600 Euro, wie sie mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart wurde, sowie darüber hinaus die Möglichkeit zur bezahlten Mehrarbeit. Dadurch sollten Lokführer unter dem Strich zehn Prozent höhere Einkommen erhalten können. Dieses Angebot lehnt die GDL ab.
kaz/dpa/ddp
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