Hamburg – Scharfe Kritik am Urteil des Chemnitzer Arbeitsgerichts: Die Vorgabe, die Lokführergewerkschaft dürfe weder im Fern- noch im Güterverkehr die Arbeit niederlegen, höhle faktisch das Streikrecht aus, sagte der Arbeitsrechtler Wolfgang Däubler der Nachrichtenagentur dpa. Das Urteil halte er für "absolut falsch", erklärte der emeritierte Professor. "Wenn man auch den Fernverkehr einige Tage bestreiken könnte, wäre eine Einigung im Tarifstreit mit der Bahn wahrscheinlich relativ schnell da", glaubt Däubler außerdem.
Lokführer beim Streik am vergangenen Freitag: Mehdorn wirft der Gewerkschaft "Krieg durch Streik" vor
Anders als beim letzten Streik am Freitag will die Deutsche Bahn diesmal nicht mit Ersatzfahrplänen arbeiten. Solche Pläne könne man "nicht einfach auf Verdacht einrichten", sagte Bahn-Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch in Berlin. Dafür sei ein erheblicher zeitlicher Vorlauf nötig. Die Ankündigung der GDL sei außerdem "vage", das mache die Planung unmöglich. Rausch kündigte allerdings an, dass das Personal für die kostenlose Service-Telefonnummer 0800-0 99 66 33 verstärkt werde.
Die GDL-Konkurrenzgewerkschaft Transnet hat angesichts der verhärteten Fronten vor einer Entsolidarisierung im Unternehmen gewarnt. "Die Unruhe unter den Mitarbeitern ist groß", sagte Transnet-Sprecher Michael Klein der "Berliner Zeitung". "Es gibt nicht nur zunehmend Streit zwischen Lokführern und anderen Teilen der Belegschaft, sondern auch zwischen den Lokführern selbst." Zudem werde bereits unter Fahrdienstleitern, Stellwerkern oder Wagenmeistern diskutiert, ob sie in Zukunft nicht ähnlich wie die Lokführer einen separaten Tarifabschluss anstreben sollten.
Die GDL verlangt einen eigenen Tarifvertrag für Lokführer und Zugbegleiter und eine Erhöhung der Löhne um bis zu 31 Prozent. GDL-Vizechef Claus Weselsky sagte der "Financial Times Deutschland" allerdings, man sei durchaus bereit, auf unter 20 Prozent zu gehen.
ase/AP/dpa
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