Hamburg - Die Fälschung war perfekt: Die angebliche GDL-Pressemitteilung passte optisch bestens zum Internetauftritt der Gewerkschaft – und die Nachricht dürfte viele Leser und Bahnkunden begeistert haben. Eine Einigung im Tarifkonflikt sei erreicht, die Kontrahenten hätten "auf dem kurzen Dienstweg" zueinander gefunden, hieß es da. Die Mitteilung schloss mit dem Satz: "Weitere Warnstreiks wird es auf keinen Fall geben."
Bahnkunden beim Streik vergangenen Freitag: Ein Hacker wollte die Einigung beschleunigen
Tatsächlich kann in der Auseinandersetzung von einer Annäherung keine Rede sein. Zuletzt hatte die GDL dem Bahn-Management ein Ultimatum gestellt, gestern Mittag verstrich die Frist ohne ein neues Angebot der Konzernspitze. Die Gewerkschaft kündigte daraufhin weitere Streiks für Donnerstag, Freitag, Montag und Dienstag an. Anders als beim jüngsten Streik am vergangenen Freitag wollen die Lokführer diesmal nicht mehr nur für ein paar Stunden, sondern ganztägig die Arbeit niederlegen. Mehdorn warf der GDL deshalb "Krieg durch Streik" vor. GDL-Chef Manfred Schell sagte, es habe den Anschein, als ob man seine Organisation "eliminieren" wollte.
Der Streik soll nur im Nahverkehr stattfinden, da das Chemnitzer Arbeitsgericht der Gewerkschaft verboten hatte, im Fern- und Güterverkehr die Arbeit niederzulegen. Allerdings prüft die Gewerkschaft noch, ob sie Berufung einlegen wird. Der Arbeitsrechtler Wolfgang Däubler übte inzwischen scharfe Kritik am Urteil des Chemnitzer Arbeitsgerichts: Die Entscheidung höhle faktisch das Streikrecht aus, sagte der emeritierte Professor. Das Urteil halte er für "absolut falsch".
"Wenn man auch den Fernverkehr einige Tage bestreiken könnte, wäre eine Einigung im Tarifstreit mit der Bahn wahrscheinlich relativ schnell da", glaubt Däubler außerdem. Die GDL verlangt einen eigenen Tarifvertrag für Lokführer und Zugbegleiter und eine Erhöhung der Löhne um bis zu 31 Prozent. GDL-Vizechef Claus Weselsky sagte der "Financial Times Deutschland", man sei durchaus bereit, auf unter 20 Prozent zu gehen.
ase/AP/dpa/Reuters
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