Frankfurt am Main – Die Vorbereitungen für den Streik laufen: Die Flugblätter sind fertig, die Pressemitteilung ist verschickt. Am Freitag wird gestreikt - von zwei Uhr morgens bis 24 Uhr, heißt es darin. Betroffen sind der Nahverkehr in ganz Deutschland sowie die S-Bahnen in Berlin und Hamburg.
Lokführer beim Streik am vergangenen Freitag: Der Ausstand morgen soll unabhängig von dem heutigen Spitzentreffen stattfinden
Die Bahn reagierte dementsprechend empört: "Das ist ein unglaublicher Vorgang. Die GDL-Funktionäre führen Millionen Bahnkunden schlicht an der Nase herum. In den verbleibenden wenigen Stunden hat die DB keine Chance, Ersatzfahrpläne einzurichten, um die Auswirkungen für die Kunden möglichst gering zu halten", ließ Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch mitteilen.
Zuvor hatte bereits Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) die "hochfliegenden Hoffnungen", die in der Öffentlichkeit wegen des heutigen Spitzentreffens entstanden seien, gedämpft. Es handle sich dabei weder um eine Mediation noch um eine Schlichtung oder Tarifverhandlungen. "Es handelt sich um eine Informationsveranstaltung." Er hoffe, dass damit dazu beigetragen werden könne, dass sich die Tarifparteien aufeinander zubewegen und "dass wieder eine Gesprächsatmosphäre geschaffen wird".
Es müsse zu einer Lösung kommen, "die wir dringend brauchen", sagte Tiefensee. Die Verantwortung liege aber nach wie vor bei den Tarifpartnern. "Der Bund wird strikt auf die Tarifautonomie achten." Auch Transnet-Chef Hansen hängte die Erwartungen tief: "Ich habe doch zumindest die Hoffnung, dass nach diesem Gespräch zwischen der Bahn AG und der GDL wieder eine Verhandlungssituation geschaffen werden kann", sagte er n-tv.
Die Bahn und die GDL hatten sich zuletzt mit martialischen Vergleichen angegriffen. Bahnchef Mehdorn sprach jüngst von "Krieg", GDL-Chef Schell sagte, man wolle seine Organisation "eliminieren".
Gestern hatte Mehdorn noch einmal erklärt, die Bahn werde kein neues Tarifangebot vorlegen. Der Konzern hatte zuletzt eine Lohnerhöhung von zehn Prozent für die Lokführer in Aussicht gestellt: 4,5 Prozent hat das Unternehmen schon mit der Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA vereinbart. Weitere fünf Prozent sollen für 2,5 Stunden Mehrarbeit in der Woche bezahlt werden. Die fehlenden 0,5 Prozent sollen als Zuschlag dazukommen.
Die GDL war empört über die Offerte: Die Gewerkschaft will einen eigenen Tarifvertrag, die 40-Stunden- statt der 41-Stundenwoche und Gehaltserhöhungen von bis zu 31 Prozent. GDL-Vizechef Claus Weselsky hatte zuletzt allerdings angedeutet, man sei durchaus bereit, auf unter 20 Prozent zu gehen.
ase/AP/ddp/dpa
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH