28. Januar 2008, 08:00 Uhr

Werksschließung

Nokia-Chef kommt zu Spitzengespräch nach Deutschland

Die heftigen Proteste haben die Nokia-Bosse offensichtlich beeindruckt. Vorstandschef Olli-Pekka Kallasvuo nimmt einem Zeitungsbericht zufolge die Sache jetzt persönlich in die Hand. Heute reist er zu einem Krisengespräch nach Nordrhein-Westfalen.

Hamburg - Aufhebens wollen die Verantwortlichen nach Möglichkeit vermeiden. Die "Bild"-Zeitung erfuhr lediglich, dass das Treffen mit den Spitzen der nordrhein-westfälischen Landesregierung bereits am Vormittag beginnen soll. Zum Ort des Gesprächs, etwa Bochum oder Düsseldorf, machte das Blatt keine Angaben.

Nokia-Chef Kallasvuo: Unerwarteter Widerstand
DPA

Nokia-Chef Kallasvuo: Unerwarteter Widerstand

Bei dem Gespräch soll es unter anderem um die von der nordrhein-westfälischen Landesregierung geforderte Rettung des Bochumer Nokia-Werks sowie um den Vorwurf gehen, Nokia habe die an die Subventionen geknüpften Bedingungen bezüglich neuer Arbeitsplätze nicht erfüllt.

Nokia will das Bochumer Werk nach den bisherigen Planungen aus Kostengründen zur Jahresmitte aufgeben und die Produktion unter anderem nach Rumänien verlagern. Dagegen hatte sich eine Welle der Proteste erhoben. Die Mitarbeiter des Bochumer Nokia-Werks kamen gestern zu einer Betriebsversammlung zusammen, um über nächste Schritte zu beraten. Die Arbeitnehmervertreter wollen weiter nicht über Sozialpläne verhandeln, sondern treten für den Erhalt des Standorts ein. Zuletzt hatte der Betriebsrat dem Nokia-Management vorgeworfen, Personalkosten falsch zu berechnen. In Bochum trieben neben der Produktion die Mitarbeiter in der Entwicklung und im Service die Kosten in die Höhe.

Am vergangenen Freitag hatten sich auch Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) und der Nokia-Gesamtbetriebsrat auf den Erhalt des Standorts als oberstes gemeinsames Ziel festgelegt, wie die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf die Düsseldorfer Staatskanzlei berichtete. Der finnische Konzern habe die Reaktionen in der deutschen Öffentlichkeit und den damit verbundenen Markenschaden falsch eingeschätzt und sei jetzt offenbar zur Zusammenarbeit bereit.

Auch die EU-Kommission hatte eindeutig Stellung bezogen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sicherte in einem Interview im selben Blatt den Bochumer Nokia-Mitarbeitern die Unterstützung der Europäischen Union zu. "Ich verstehe die Sorgen der Beschäftigten, versichere ihnen unsere Solidarität", sagte Barroso. "Wo es erforderlich ist, helfen wir, zum Beispiel bei Umschulungen."

Barroso verwies darauf, dass Deutschland bis 2015 mehr als neun Milliarden Euro aus dem EU-Sozialfonds erhalten werde. Die Verlagerung des Nokia-Werks nach Rumänien werde nicht mit Geld aus Brüssel gefördert, betonte der Kommissionspräsident. "Der EU-Haushalt unterstützt keine Betriebsverlagerungen." In Brüssel werde darauf geachtet, dass es keinen "unfairen Wettlauf um nationale Förderungen" gebe.

mik/AFP/ddp


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