12. Februar 2008, 15:12 Uhr

Handy-Fertigung

Nokia-Vorstand schmettert Rettungspläne für Bochumer Werk ab

Die Gespräche sind gescheitert: Das Nokia-Management hat die Vorschläge des Betriebsrats zum Erhalt des Bochumer Handy-Werks zurückgewiesen. Das Angebot sei "nicht umsetzbar", heißt die Begründung.

Bochum - Die Hoffnung der Nokia-Mitarbeiter, dass im Handy-Werk in Bochum doch weiter gearbeitet wird, ist nun wohl endgültig dahin: Die Vorschläge des Betriebsrats zur Rettung des Werks seien "nicht umsetzbar", sagte das Unternehmen nach einem Treffen von Betriebsrat und Nokia-Management in Helsinki. "Die notwendige Effizienz würde dadurch nicht erreicht und die Gesamtstrategie von Nokia nicht unterstützt."

Protestaktion vor dem Bochumer Werk: "Jeder Arbeitsplatz hat ein Gesicht"
DDP

Protestaktion vor dem Bochumer Werk: "Jeder Arbeitsplatz hat ein Gesicht"

Die Vertreter der Arbeitnehmer in Bochum hatten Investitionen von mehr als 14 Millionen Euro in neue Produktionslinien angeboten, um die Produktivität des Bochumer Werks zu erhöhen. Ziel sei eine Verdopplung der Produktion bei gleichbleibender Mitarbeiterzahl.

Nokia hatte am 15. Januar bekannt gegeben, seinen Bochumer Standort schließen zu wollen - und damit einen Sturm der Entrüstung und Solidaritätsbekundungen in der Bevölkerung ausgelöst. Auch die Politik bis hin zu Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich eingeschaltet. Zuletzt forderte das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium Nokia zur Rückzahlung von 41 Millionen Euro Subventionen auf, da der Handyhersteller Arbeitsplatzzusagen nicht eingehalten habe.

Trotz des klaren Neins zur Werkserhaltung sollen am 20. Februar Verhandlungen zwischen der deutschen Unternehmensleitung und den Arbeitnehmervertretern beginnen. Es müsse jetzt darum gehen, für die 2300 Beschäftigten in Bochum Jobs bei anderen Unternehmen zu finden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung von Betriebsrat und Management. Man müsse Arbeitsplätze finden, die vertrauenswürdig seien und langfristige Geschäftsziele verfolgten.

Bereits am Donnerstag soll zudem eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Nokia und dem Land Nordrhein-Westfalen zusammentreffen, um über Lösungen für die Zukunft des Nokia-Standorts in Bochum zu diskutieren.

Unterstützung bekommen die Bochumer Arbeiter auch aus der Politik: Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) kündigte an, sie wolle den Mitarbeitern über Qualifizierungsmaßnahmen helfen, neue Jobs zu finden. Es sei wichtig, die Qualifikation von angelernten Arbeitnehmern so weit wie möglich zu verbessern, sagte sie der "Frankfurter Rundschau".

Thoben geht davon aus, dass auch der Betriebsrat dies bei den Verhandlungen in Finnland hervorheben wird. Vom Ergebnis der Verhandlungen hänge ab, wie sie mit der Rückforderung von Subventionen in Höhe von 41 Millionen Euro umgehe. Die Landesregierung verlangt das Geld zurück, weil Nokia weniger Leute beschäftigt haben soll, als im Subventionsbescheid festgelegt worden war. Nokia bestreitet dies. Thoben bekräftigte in dem Interview ihre generelle Kritik am Vorgehen des finnischen Konzerns: "Nokia muss wissen, dass wir bestimmte Verhaltensweisen nicht akzeptieren", sagte sie.

Das neue Werk in Rumänien, das die Bochumer Fabrik ersetzen soll, hat die Produktion bereits gestartet.

ssu/AP/dpa


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