Berlin - Noch nie verdiente die deutsche Raumfahrtindustrie mehr: 2007 stieg der Branchenumsatz um 3,8 Prozent auf die Rekordsumme von 20,2 Milliarden Euro - rund 700 Millionen mehr als im Vorjahr. Die stark exportorientierte Luftfahrtindustrie trotzte damit der Dollarschwäche und der Krise beim Branchenriesen Airbus. Trotzdem wollen immer mehr Unternehmen ihre Zelte im Euroraum abbrechen. Thomas Enders, Airbus-Chef und Präsident des Bundesverbandes der Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), sieht europaweit 640.000 Arbeitsplätze in Gefahr.
Tom Enders: Der Airbus-Chef schließt weitere Stellenstreichungen nicht aus
Außerdem mache der rapide Dollarverfall Europa, insbesondere aber auch Deutschland, zu einem Hochlohnsektor. Schwellenländer wie Indien seien nicht nur günstiger, sondern hätten zudem auch mehr qualifizierteres Personal. Nach Meinung des Airbus-Chefs ist zu wenig für den Nachwuchs getan worden. Das rächt sich nun.
Derzeit sind in der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie rund 88.200 Menschen beschäftigt - eine absolute Höchstmarke. Besonders gut schnitt 2007 die zivile Luftfahrt ab: Der Umsatz kletterte um 6,3 Prozent auf 13,03 Milliarden Euro, die Beschäftigung stieg um 4,4 Prozent auf 57.400. Dagegen stagnierte der Umsatz in der Teilbranche Verteidigung und Sicherheit bei 5,75 Milliarden Euro. In der Raumfahrt bestätigte sich die seit dem Vorjahr leicht positive Entwicklung: Der Umsatz stieg um 0,5 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro.
Kritisch äußerte sich Enders zu den Plänen der EU, den Luftverkehr in den Emissionshandel einzubeziehen. Wenn schon, dann "fair und global". Lieber wäre ihm aber, dass die Politik ihre eigenen Hausaufgaben mache. Etwa indem sie endlich die Kleinstaaterei im Luftraum-Management beende und den "Single European Sky" Wirklichkeit werden lasse. Damit allein ließen sich zehn bis zwölf Prozent CO2-Ausstoß einsparen.
sil/Reuters/dpa/ddp
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