Bahn - Noch gibt er sich arbeitnehmernah: "Es wird unter meiner Verantwortung keine Tarifflucht geben", sagte der ehemalige Chef der Bahn-Gewerkschaft Transnet der "Bild am Sonntag". Er wies damit den Vorwurf der drohenden Lohndrückerei zurück: Im gültigen Tarifvertrag sei vereinbart, dass die Deutsche Bahn kein Outsourcing mit dem Ziel der Tarifflucht betreiben dürfe. In seiner neuen Funktion als Arbeitsdirektor der Bahn AG wird Hansen allerdings die Ausgründung von bis zu 30 Tochtergesellschaften mit rund 9000 Beschäftigten verantworten.
Ex-Transnet-Chef Hansen: "Outsourcing keine Lohndrückerei"
Die Heidekrautbahn fällt allerdings nicht unter den Tarifvertrag der Bahn - und so ist es nicht erstaunlich, dass die Gewerkschaften misstrauisch sind. Erste Zweifel wurden bei Ver.di laut: "Tarifliche Zusagen der DB sind nicht immer besonders viel wert", sagte der Bundesfachgruppenleiter Schienenverkehr, Stefan Heimlich. Ver.di habe die Erfahrung machen müssen, dass Regionaltöchter wie die Heidekrautbahn zum Zweck der Lohndrückerei gegründet worden seien. "Das ist eine Schweinerei, wenn ein öffentliches Unternehmen Wettbewerb ausschließlich über die Lohnkosten austragen will. Ich warne die Bahn ausdrücklich davor, diesen Weg des Lohndumpings wie bei der Heidekrautbahn weiterzugehen", sagte Heimlich.
Kritik kam auch aus der Politik: "Die Glaubwürdigkeit der gesamten Bahnreform steht auf dem Spiel", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer (SPD). "Falls Hansen Bescheid wusste, kann er sein neues Amt nicht antreten." Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL Claus Weselsky griff Hansen scharf an: "Wer als Arbeitnehmervertreter das Feld bestellt, um als Arbeitgebervertreter die Ernte einzufahren, der verdient nicht das Vertrauen seiner Mitglieder."
Hansen war am Donnerstag von der Spitze der rund 240.000 Mitglieder starken Transnet zurückgetreten, um einen Posten als Arbeitsdirektor bei der Deutschen Bahn AG anzunehmen. Vorwürfe, er habe aus Eigennutz gehandelt und sei wegen dieser Karriere in den vergangenen Jahren mit seiner ganzen Organisation stets für eine Teilprivatisierung der Bahn eingetreten, hatte Hansen als "aberwitzig" zurückgewiesen.
sam/AP
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