Hamburg - Diesmal ist Horst Köhler zu weit gegangen, findet Wolfgang Gerke. "So sympathisch ich den Bundespräsidenten sonst auch finde", die Statements des Bundespräsidenten im "Stern" zur Kreditkrise seien "populistisch" und "wenig hilfreich", sagt der Börsenexperte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das ist seiner nicht würdig."
Bundespräsident Köhler: "Wir waren nahe dran einem Zusammenbruch der Weltfinanzmärkte"
Vor allem die "pauschale Kritik" ärgert Gerke. "Das bringt uns nicht weiter." Der Vergleich mit einem "Monster" sei genauso wenig hilfreich wie der Begriff der "Heuschrecken" für Private-Equity-Firmen, den einst Ex-SPD-Chef Franz Müntefering prägte. Köhler hatte Investmentbanken unter anderem ein "underpricing of risk", eine Unterbewertung des Risikos, vorgeworfen.
Sicher: "Viele Banker haben riesigen Bockmist gebaut und danach noch Abfindungen kassiert", sagt Gerke. Das sei nicht richtig gewesen, deshalb müsse man sich auch über überzogene Managergehälter Gedanken machen, wie es Köhler fordert. Aber deshalb die gesamte Finanzbranche zu verdammen, sei "plakativ" - zumal die Politik "ein gehöriges Maß an Mitschuld" trage. So seien es die deutschen Politiker gewesen, die die Landesbanken in ihrer bisherigen Struktur belassen hätten.
Köhler hatte kritisiert: "Die meisten Landesbanken haben offensichtlich kein tragfähiges Geschäftsmodell." Er habe es daher schon vor seiner Zeit als Bundespräsident für die beste Lösung gehalten, die sieben beherrschenden Landesbanken zu einer Zentralbank der Sparkassen zu fusionieren. Auch die deutschen Privatbanken "sollten sich in einer Form konsolidieren, dass wir uns auf sie verlassen können", sagte der Bundespräsident.
Trotz seiner Kritik an Köhlers Worten - auch Gerke sieht Reformbedarf bei der Aufsicht über die Finanzmärkte. Wichtig sei vor allem die internationale Koordination. Dafür sei der IWF, den Köhler als oberstes Aufsichtsgremium vorgeschlagen hatte, durchaus geeignet, "allerdings kann der IWF das nicht allein". Die Organisation brauche die Zuarbeit der nationalen Aufsichtbehörden.
ase
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