18. Mai 2008, 20:01 Uhr

Gesundheit

Patienten müssen mit schlechterer Versorgung rechnen

Künftig werden Patienten in Deutschland mehr für bestimmte Leistungen selbst zahlen müssen - das jedenfalls kündigte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, an. Eine umfassende Gesundheitsversorgung für alle sei unerschwinglich.

Berlin - Für einige ja, für andere nein: Eine umfassende Gesundheitsversorgung ist nach Ansicht der Ärzte nicht mehr für alle Patienten möglich. Kurz vor dem Deutschen Ärztetag in Ulm schlugen die Mediziner deshalb Alarm.

Ärzte bei einer Herz-OP: Mediziner schlagen Alarm
AP

Ärzte bei einer Herz-OP: Mediziner schlagen Alarm

Wegen der strikten Ausgabenbegrenzung sei nicht mehr alles für alle bezahlbar, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe. Hoppe sagte der Tageszeitung die "Welt", eine Form von Rationierung medizinischer Leistung sei unumgänglich. Dieses Thema steht auch im Fokus des von Dienstag bis Freitag dauernden Ärztetags. Im von der Bundesärztekammer verfassten "Ulmer Papier" ist Ausgangspunkt die These, dass staatliche Gängelung und Sparzwänge es für die Ärzte immer schwerer machen, Patienten gut zu versorgen. Nun gehe es darum, "patientenfeindliche Fehlentwicklungen zu korrigieren".

Hoppe sagte, bestimmte Behandlungen sollten Patienten künftig selbst bezahlen. Als Beispiel nannte er einige der von Krankenkassen bezahlten Kuren. Eine "heimliche Rationierung" gebe es schon lange, erklärte der Ärztepräsident. Hoppe schlug einen neuen Gesundheitsrat vor, der Empfehlungen für die Prioritäten bei der medizinischen Versorgung geben soll.

In der "Rheinischen Post" forderte er eine "Alzheimer-Abgabe" für Demenzkranke. Er wies darauf hin, dass Demenzkranke aus Kostengründen nicht die nötige Medizin bekämen. Der Staat solle die Pharma-Hersteller verpflichten, von jeder verkauften Arznei-Packung 50 Cent an die Kassen abzuführen. Das Geld müsste die Erforschung besserer Medikamente fließen. Derzeit gibt es in Deutschland eine Million Demenzkranke. Bis 2040 werden es zwei bis drei Millionen sein. "Schon jetzt verursacht die einfache Behandlung dementer Menschen jährlich Kosten von 5,6 Milliarden Euro", sagte Hoppe.

Derweil stellte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) den niedergelassenen Ärzten eine Honorarerhöhung um rund zehn Prozent in Aussicht. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte sie, dass der Zuwachs "nach Schätzungen von Fachleuten um die zehn Prozent" betragen solle. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hatte zuletzt 4,5 Milliarden Euro mehr verlangt.

ffr/AP


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