Berlin/Karlsruhe - Die Inflationsgefahr geht etwas zurück. Die Teuerungsrate in Deutschland dürfte in den kommenden Monaten "leicht" nachgeben, hieß es im Monatsbericht der Bundesbank. Viele Agrarprodukte könnten dann wegen des gestiegenen Angebots wieder billiger werden. Auch bei Kraftstoffen und Heizöl nehme der Preisdruck ab.
Seit Juni verharrt die Inflationsrate bei 3,3 Prozent und markiert damit den höchsten Wert seit knapp 15 Jahren. Ihr größter Preistreiber ist die Energie, nachdem der Ölpreis Mitte Juli ein Rekordhoch von 147 Dollar je Fass erreicht hatte. Inzwischen tendiert der Ölpreis wieder etwas niedriger, am Montagmittag lag er bei rund 113 Dollar je Barrel (159 Liter).
Die Entspannung am Energiemarkt schlägt nun offenbar auch auf die Teuerung durch. Laut Bundesbank wird diese allerdings weiter "deutlich über zwei Prozent liegen", unter anderem weil für Gas kräftige Preisschübe angekündigt worden seien. Erst heute hat mit EnBW ein weiterer Konzern entsprechende Pläne angekündigt. Nach dem Wettbewerber RWE will auch der Karlsruher Energieversorger seine Gaspreise im November um knapp ein Fünftel anheben.
Insgesamt wird die deutsche Energierechnung 2008 um 23 Milliarden Euro höher ausfallen als im Vorjahr, schreibt die Bundesbank. Der Kaufkraftentzug entspreche damit fast dem Umfang der Mehrwert- und Versicherungssteuererhöhung Anfang 2007. Insgesamt müsste Deutschland in diesem Jahr netto 82,25 Milliarden Euro für Energieimporte ausgeben.
Konjunkturelle Durststrecke erwartet
Der Preisschub am Energiemarkt belastet auch die Gesamtkonjunktur maßgeblich. Durch die massive Verteuerung hätten die realen Einkommensverluste in Deutschland und anderen Industriestaaten "ein beträchtliches Ausmaß angenommen" und die Konsumbereitschaft beeinträchtigt. "Das schwächt die Inlandsnachfrage und die Konjunktur in wichtigen Exportmärkten."
Die Bundesbank rechnet nach dem Wachstumseinbruch im Frühjahr daher nicht mit einer schnellen Erholung der deutschen Wirtschaft. Das "Risikogemisch" aus Finanzkrise, teurem Euro und hoher Inflation lasse "für den weiteren Jahresverlauf eine langsamere Gangart erwarten".
Das Bruttoinlandsprodukt war im Frühjahr um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal und damit erstmals seit 2004 gesunken. Für den laufenden dritten Jahresabschnitt prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ein Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dies könne wegen statistischer Abweichung wieder ein Minus und damit eine technische Rezession bedeuten, erklärte das Institut. "Es wäre aber völlig abwegig, von einer Rezession zu sprechen", betonte DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths.
Auch die Bundesbank hielt sich trotz der schlechten Vorzeichen mit allzu negativen Prognosen zurück. Für das zweite Halbjahr zeichne sich eine "konjunkturelle Durststrecke" ab, hieß es im Monatsbericht. Der Abwärtsdruck werde sich aber nicht verstärken. Und: Die Zahl der Arbeitslosen werde weiter sinken, wenn auch nicht mehr so schnell wie bisher. Die Zahl der offenen Stellen sei noch immer recht hoch.
ssu/dpa
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