17. September 2008, 06:39 Uhr

Lehman-Kollaps

Finanzkrise gefährdet deutschen Sicherungsfonds

Die Pleite von Lehman Brothers bringt den Einlagensicherungsfonds in der Bundesrepublik in Not. Die deutsche Tochter der US-Investmentbank sei dem Fonds mit einer Deckungssumme von bis zu sechs Milliarden Euro angeschlossen, berichtet das "Handelsblatt".

Düsseldorf/Frankfurt am Main - Dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) droht wegen des Zusammenbruchs der US-Investmentbank Lehman Brothers ein Schadenfall in Milliardenhöhe. Der Kollaps von Lehman Brothers könne den Sicherungsfonds mit bis zu sechs Milliarden Euro belasten, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzexperten. Denn die deutsche Tochter von Lehman Brothers sei dem Sicherungsfonds mit einer Deckungssumme in dieser Höhe angeschlossen.

Für den Einlagensicherungsfonds sei die Lehman-Pleite der bislang größte Schadensfall der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Ob sich die Belastung noch reduziere, hänge davon ab, ob sich Teile der deutschen Lehman-Tochtergesellschaft verwerten ließen. Gelinge das nicht, müssten die dem Fonds angeschlossenen Institute womöglich Kapital nachschießen. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums betrage das Volumen des Sicherungsfonds 4,6 Milliarden Euro.

Der BdB wollte die Schadenssumme im Fall Lehman über sechs Milliarden Euro weder bestätigen noch dementieren. Anleger in Deutschland müssten aufgrund der aktuellen Finanzmarktturbulenzen keine Sorge um ihre Ersparnisse haben, erklärte der Verband. Die Sicherungssysteme hierzulande griffen, die Banken seien robust. Die Gesamtverbindlichkeiten von Lehman in Deutschland belaufen sich auf 14,3 Milliarden Euro.

Die Insolvenz von Lehman Brothers kostet die bundeseigene KfW-Bank nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vermutlich einen dreistelligen Millionenbetrag. Die KfW habe mit Lehman bei Wertpapieren und Finanzmarkttermingeschäften (Swaps) zusammengearbeitet, sagte ein Sprecher. Insgesamt liege das Engagement der KfW bei Lehman "im mittleren dreistelligen Millionenbereich".

als/AFP/dpa

Wie sicher ist meine Lebensversicherung?

Laut "FAZ" besitzen deutsche Versicherer Kapitalanlagen im Wert von gut 1100 Milliarden Euro. Rund 700 Milliarden Euro davon entfallen allein auf die Lebensversicherer. Durch die aktuellen Finanzmarktturbulenzen sind nun deren Aktienanlagen bedroht.

Das Vermögen der Versicherten ist aber laut Verbraucherschützern kaum in Gefahr. "Seit sich die Versicherer in den neunziger Jahren die Finger an Aktien verbrannt haben, dürften sie ihre Börsenaktivitäten stark zurückgefahren haben", sagt Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, SPIEGEL ONLINE. Heute werde der Aktienanteil in den Depots der Lebensversicherer auf unter zehn Prozent geschätzt. Selbst starke Kursverluste dürften da kein Problem sein.

Allerdings könnten die Zinsgewinne aus den Lebensversicherungen durch die aktuelle Krise geschmälert werden. Denn der größte Teil der Anlagen steckt in Zinspapieren - und wegen der Furcht vor einer Rezession sind die Zinsen zuletzt gefallen.

Problematisch sind laut Bieler zudem fondsgebundene Versicherungen. "Deren Aktienwerte sind vor Verlusten nicht geschützt. Hier kann der Anleger Verluste einfahren."

Drohen Zertifikateanlegern Verluste?

Ja. Käufer von Zertifikaten der US-Investmentbank Lehman Brothers stehen möglicherweise vor einem Totalverlust. Tausende deutsche Anleger müssten um ihre Ersparnisse bangen, sagte der Chef des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (DIAS), Volker Pietsch.

Sollte nicht noch eine Lösung für die Rettung des Bankhauses gefunden werden, drohe den Investoren der Totalverlust ihres Geldes. Der Grund: Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen - und daher im Fall einer Insolvenz nicht geschützt. Wenn die Insolvenzmasse nicht ausreicht, um alle Schuldner zu bedienen, droht Anlegern daher der Verlust ihres eingesetzten Kapitals.

Wie Pietsch sagte, hatte die Direktbank DAB noch im Juli für ein Garantiezertifikat der US-Investmentbank Lehman Brothers geworben. Der hohe Zins von sechs Prozent habe viele Anleger abgelockt, die geglaubt hätten, dass sie mit dem Kauf eines Garantiezertifikates auch einen Bestandsschutz für ihr eingesetztes Geld genießen. Die Garantie für die Rückzahlung des Geldes gelte bei Garantiezertifikaten nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen jedoch generell nur solange, wie der Emittent zahlungsfähig ist, warnte Pietsch.

Laut "Handelsblatt" sind nicht nur Anleger betroffen, die direkt in Emissionen von Lehman investiert haben. Die US-Investmentbank war auch im sogenannten White-Labeling-Geschäft aktiv. Sie hat also Produkte für andere Banken und Sparkassen aufgelegt und garantiert. Auch bei diesen Papieren sei offen, ob und wie die Rückzahlung erfolgt, berichtet die Zeitung.


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