10. November 2008, 10:24 Uhr

Wall Street

Sparkurs der US-Banken bedroht 70.000 Jobs

Rund 150.000 Arbeitsplätze in der Finanzbranche hat die Krise laut Schätzungen bereits gekostet. Jetzt droht den US-Banken eine weitere Entlassungswelle: Wegen der trüben Aussichten für 2009 sind Zehntausende Jobs in Gefahr.

Hamburg - Die Finanzindustrie muss in Folge der Krise an den Märkten sparen. Bankenchefs und Analysten gehen davon aus, dass die Unternehmen in der US-Finanzindustrie ihre Budgets für das kommende Geschäftsjahr zum Monatsende fertigstellen und dabei massive Personalkürzungen einplanen. Der "Financial Times" (FT) zufolge ist mit dem Wegfall von mehr als 70.000 Stellen zu rechnen - zusätzlich zu den 150.000 Jobs, die bereits im Zuge der Finanzkrise weltweit in der Branche gestrichen wurden.

Finanzzentrum New York: Weniger Steuern, Immobilienmarkt unter Druck
AFP

Finanzzentrum New York: Weniger Steuern, Immobilienmarkt unter Druck

Von den Kürzungen sind dem Bericht zufolge vor allem Investmentbanken und das Handelsgeschäft betroffen. Die fast zum Erliegen gekommenen Kapitalmärkte und der Einbruch beim Übernahme- und Finanzierungsgeschäft mache der Branche zu schaffen. Das Schrumpfen der globalen Finanzwirtschaft werde Finanzzentren wie New York, London und Hongkong in ökonomische Not bringen, da hier die Steuereinnahmen sänken und die örtlichen Immobilienmärkte unter Druck gerieten.

Das vierte Quartal werde dramatisch werden, zitiert die "FT" Meredith Whitney, Analystin bei Oppenheimer. "Viele der großen Akteure an den Finanzmärkten werden ihr Personal um 25 bis 30 Prozent reduzieren", sagte sie. Die Erträge seien sogar noch viel stärker eingebrochen.

Die Investmentbank Goldman Sachs, die die Finanzkrise bislang vergleichsweise gut überstanden hat, begann vergangene Woche, rund zehn Prozent der insgesamt 32.500 Stellen abzubauen.

Die meisten anderen amerikanischen Geldhäuser haben ähnliche Schritte angekündigt. So sei die Citigroup dabei, rund 23.000 Jobs zu streichen, Merrill Lynch hat bereits 5700 Stellen abgebaut, Morgan Stanley 4400, berichtet die "FT" unter Berufung auf die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Da die Gewinne weiter einbrächen, sei mit noch mehr Kürzungen zu rechnen.

Eine Studie der US-Notenbank Federal Reserve geht allein für den Standort New York vom Wegfall von 55.000 bis 78.000 Jobs in den kommenden Jahren in der Finanzbranche aus, berichtet die "FT" weiter. Die US-Banken wollten sich zu den geplanten Stellenstreichungen auf Nachfrage nicht äußern.

kaz


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