11. Januar 2009, 15:37 Uhr

Boeing in der Krise

Tausende Stellen weg, Airline will Entschädigung wegen Dreamliner

Boeing kämpft mit der Krise: Der Flugzeugbauer muss Tausende Stellen streichen. Nun stellt auch noch eine Fluggesellschaft Entschädigungsforderungen wegen der Lieferprobleme beim Dreamliner - weitere könnten folgen.

Paris - Qatar Airways will Entschädigung: 30 Dreamliner hat die Airline bei Boeing bestellt. Die Lieferverspätungen hätten die Expansionspläne der Fluggesellschaft beeinträchtigt, sagte Konzernmanager Ali al-Rais am Sonntag vor Journalisten. Deshalb werde über Ausgleichszahlungen bereits gesprochen. Es gebe noch keinen neuen Liefertermin. Qatar Airways hat eine Flugzeugflotte von mehr als 60 Maschinen und insgesamt rund 200 neue Flugzeuge bestellt.

Dreamliner: 50 Fluggesellschaften warten auf 892 Maschinen
AFP

Dreamliner: 50 Fluggesellschaften warten auf 892 Maschinen

Die Forderungen von Qatar Airways drohen Schule zu machen. Insgesamt warten mehr als 50 Fluggesellschaften auf 892 Boeing-787-Modelle. Die Maschinen haben nach Listenpreis insgesamt einen Wert von 145 Milliarden Dollar. Boeing hinkt mit seinem neuen Flaggschiff 787 fast zwei Jahre hinter dem Zeitplan her. Im Dezember hatte der US-Konzern die geplante Auslieferung zum vierten Mal verschoben. Sie soll nun Anfang 2010 beginnen.

Erzkonkurrent Airbus hatte Hunderte Millionen Dollar an Entschädigung zahlen müssen, nachdem sich der Zeitplan für seinen A380-Superjumbo um zwei Jahre verschoben hatte. Qatar Airways rechnet nach Angaben von Rais bis 2011 mit der Auslieferung seiner A380-Flugzeuge.

Als ob Boeing nicht schon genügend Probleme hätte. Erst am Freitag musste der Luftfahrtkonzern bekannt geben, dass etwa 4500 der 68.000 Arbeitsplätze im Bereich Verkehrsflugzeuge wegfallen - das sind knapp sieben Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter sinke damit wieder auf den Stand von Anfang 2008, teilte Boeing mit.

Der Airbus-Konkurrent hat im vergangenen Jahr wegen des globalen wirtschaftlichen Sinkflugs einen deutlichen Rückgang seiner Aufträge verzeichnet. Viele Fluggesellschaften in aller Welt treten derzeit bei ihren Ausbauplänen wegen der Wirtschaftskrise auf die Bremse.

Die Zahl der bestellten Flugzeuge war bei Boeing 2008 um mehr als die Hälfte auf 662 Stück zurückgegangen. Damit liegt Boeing deutlich hinter der EADS-Tochter Airbus, die allein bis Ende November 756 bestellte Flugzeuge gemeldet hatte. Beide haben allerdings noch gut gefüllte Auftragsbücher.

Der Jobabbau bei Boeing werde vor allem im zweiten Quartal erfolgen, hieß es. Die meisten der betroffenen Stellen sollen im Bundesstaat Washington im äußersten Nordwesten der USA wegfallen.

Dafür seien auch Kündigungen nötig, die normale Fluktuation reiche nicht aus. Viele der Stellen liegen laut Boeing in der Verwaltung und anderen Bereichen abseits der unmittelbaren Flugzeugfertigung.

ase/Reuters/dpa


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