27. Februar 2009, 15:30 Uhr

Sanierungsplan

Opel will sich von GM abkoppeln

Mehr Unabhängigkeit für Opel: Der deutsche Autobauer will zur eigenständigen Geschäftseinheit werden und sich damit stärker vom siechen US-Mutterkonzern GM trennen. Damit dieser Rettungsplan eine Chance hat, braucht das Management frisches Kapital - 3,3 Milliarden Euro.

Rüsselsheim - Der deutsche Autohersteller Opel soll weitgehend eigenständig von der Konzernmutter General Motors (GM) werden. Opel solle künftig deutlich unabhängiger sein als bisher, sagte GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung in Rüsselsheim. Gleichzeitig müsse Opel aber Teil des Konzernverbundes bleiben.

Opel-Werk in Rüsselsheim: Bedarf von 3,3 Milliarden Euro
AP

Opel-Werk in Rüsselsheim: Bedarf von 3,3 Milliarden Euro

Opel und GM Europa hätten in den vergangenen Wochen zusammen mit der Mutter General Motors ein Zukunftskonzept erarbeitet. Demnach solle Opel als "selbständige Geschäftseinheit" geführt werden, sagte Forster.

Opel wolle aber auch als europäische Gesellschaft Teil des GM-Konzerns bleiben, sagte Forster. So könne man den Zugang zu Technologien behalten und von der Größe des Gesamtkonzerns profitieren. Zudem werde GM Opel Rechte und Patente überlassen.

Durch die rechtliche Trennung solle auch der Abfluss von Finanzhilfen verhindert werden, sagte Opel-Chef Hans Demant. Darüber hinaus sei die Gesellschaft offen für Investitionen von Dritten. Forster nannte einen Korridor von 25 bis 50 Prozent für Anteilseigner an der neuen Opel-Gesellschaft. Die konkrete Höhe hänge von den weiteren Gesprächen mit GM ab. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz nannte Autohändler und Mitarbeiter als mögliche Investoren.

Opel braucht 3,3 Milliarden Euro

Forster kündigte an, dass Opel das Konzept am Montag der Bundesregierung vorlegen werde. Allerdings brauche das Unternehmen für seine Zukunft "erhebliche finanzielle Mittel". Forster bezifferte den Bedarf auf 3,3 Milliarden Euro, die bis 2014 oder 2015 an die öffentliche Hand zurückgezahlt werden sollen.

Er erklärte, es werde noch darüber verhandelt, wie Werkschließungen und Kündigungen vermieden werden können. Opel müsse einen nicht unerheblichen Betrag an Einsparungen erreichen, sagte Forster. Er bezifferte diesen Einsparungsbedarf auf knapp eine Milliarde Euro.

Laut Zukunftskonzept soll sich GM selbst mit einer Milliardensumme an der Rettung des Europa-Geschäfts beteiligen. Dazu soll GM Europa, das vor allem aus Opel besteht, eine Finanzspritze von drei Milliarden Euro aus den USA erhalten. Dies wird nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa als Teil eines Opel-Sanierungskonzepts geprüft.

In Branchenkreisen wird allerdings angezweifelt, ob die Mutter in Detroit eine derartige Investitionszusage überhaupt einlösen kann. GM hängt am Tropf der US-Regierung, dem Konzern droht das Aus. Auch ist fraglich, ob Washington es zulassen würde, dass amerikanische Steuergelder in Europa ausgegeben werden.

Den Mitarbeitern drohen "gewisse Lohnverzichte"

Auf die Opel-Mitarbeiter kommen in jedem Falle harte Einschnitte zu. Forster nannte als Voraussetzung für die Umsetzung des Rettungskonzepts, dass Überkapazitäten abgebaut werden müssten. Ziel sei es, eine Übereinkunft mit den Arbeitnehmervertretern zu erreichen. "Wir verhandeln derzeit über die Frage: Wie können wir Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen vermeiden?", sagte Forster. Wahrscheinlich seien "gewisse Lohn- und Gehaltsverzichte" und "freiwillige Abfindungsmaßnahmen".

Unterdessen hat der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) möglichen Opel-Investoren staatliche Hilfe in Aussicht gestellt. "Wenn wir sehen, dass alle Argumente in einer normalen Zeit dafür sprechen, dass man eine solche Investition macht, dann gibt es möglicherweise Investoren, die derzeit das aktuelle Risiko scheuen", sagte Koch dem WDR. "Dieses Risiko können wir ihnen abnehmen. Dafür haben wir unsere Instrumente", fügte der Ministerpräsident hinzu. "Grundsätzlich steht das Instrument zur Verfügung, Investoren zu helfen, das Risiko ihrer Investitionen zu mindern", erläuterte Koch.

Auch eine direkte Beteiligung des Staates an Opel wollte Koch nicht ausschließen: "Die Eigentümerschaft des Staates bei Unternehmen ist ein absolut letztes Mittel, das ordnungspolitisch erhebliche Fragen aufwirft, und deshalb lohnt es sich immer, zunächst alle anderen Schritte sehr zu prüfen."

wal/dpa/Reuters/AFP/ddp


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