20. Juni 2009, 15:42 Uhr

Mexiko-Besuch

IG-Metaller rechnete Besuch in Strip-Bar übers Spesenkonto ab

Die Wolfsburger IG Metall gerät wieder in die Schlagzeilen: Ein ehemaliger Kassierer prangt die Verschwendungssucht der örtlichen Funktionäre an. Die sollen Geld für teure Bürostühle und Restaurantbesuche ausgegeben haben - und für ein Gelage in einem mexikanischen Striplokal.

Hamburg - Der damals Zweite Bevollmächtigte der Verwaltungsstelle Wolfsburg, Frank Patta, hat sich nach SPIEGEL-Informationen die Ausgaben in einer Table-Dance-Bar im mexikanischen Puebla von der Gewerkschaft erstatten lassen. Patta war mit einer Gewerkschaftsdelegation im Mai 2006 zum deutsch-iberoamerikanischen gewerkschaftlichen Netzwerktreffen in Mexiko.

Am 18. Mai besuchte er zusammen mit Kollegen ein Strip-Lokal. Die Rechnung über umgerechnet rund 105 Euro reichte Patta später bei der IG Metall in Wolfsburg ein. Sie wurde vom damaligen Ersten Bevollmächtigten als "sachlich richtig" abgestempelt, nachdem sich der örtliche Kassierer Michael Semenow geweigert hatte, sie zu unterzeichnen.

Dem IG-Metall-Funktionär wird auch in weiteren Fällen Geldverschwendung vorgeworfen, beispielsweise bei der Ausstattung der Büros im neuen Wolfsburger Gewerkschaftshaus. Entsprechend der Ausschreibung erhielten die einfachen Mitarbeiter der Gewerkschaft Bürostühle für 374,85 sowie Besucherstühle für 213,01 Euro. Der inzwischen zum Ersten Bevollmächtigten aufgestiegene Patta und sein damaliger Zweiter Bevollmächtigter dagegen sollten feiner sitzen. Ihre Bürostühle kosteten jeweils 2556,64 Euro, die Besuchersessel 1621,02 Euro. Insgesamt kostete die standesgemäße Ausstattung der beiden Chefbüros 24.777 Euro.

Der verantwortliche Leiter der Internen Revision der IG Metall, Erich Bach, teilte dem SPIEGEL mit, dass "die Kosten der Bürostühle sicherlich im oberen Bereich des Vertretbaren liegen". Weil sie vom zuständigen Wolfsburger Ortsvorstand beschlossen worden waren, sei dies aber nicht zu beanstanden gewesen.

Pattas Kritiker Semenow geriet einige Zeit später in seiner Funktion als Geschäftsführer der IG Metall Servicegesellschaft in Frankfurt am Main an wesentlich strengere Kontrolleure. Sie legten dem Vielreisenden den Kauf einer Jahresnetzkarte für die Deutsche Bahn als Verschwendung aus und beanstandeten außerdem die Abrechnung einer Gleitsichtbrille auf Gewerkschaftskosten. Semenow wurde letztendlich fristlos entlassen. Zurzeit kämpft er in einem Arbeitsgerichtsprozess gegen die Kündigung - und versucht seine Position mit der Darstellung von Pattas Fehlverhalten zu belegen.

IG-Metall-Funktionäre haben in der Vergangenheit bereits verschiedentlich ihren aufwendigen Lebensstil über Spresenrechnungen finanziert. Spektakulärster Fall war die Rotlicht-Affäre der VW-Betriebsräte, die im Frühjahr 2005 ans Licht kam. Vor allem der mächtige Betriebsratschef Klaus Volkert profitierte von den Vergünstigungen. Er ließ sich Prostituierte auf Geschäftsreisen rund um den Globus bezahlen, ebenso Maßanzüge, auch Schmuck für die Gattin.


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