Düsseldorf/Frankfurt - Die Wortwahl ist drastisch. Der Präsident der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer (AHK), Heinrich Weiss, hat sich gegen eine Rettung von Opel unter anderem mit russischer Beteiligung ausgesprochen. "Die Bemühungen um eine Überlebensstrategie für Opel sind dilettantisch. Es ist verantwortungslos dem Steuerzahler gegenüber, diese maroden Strukturen am Leben halten zu wollen", sagte Weiss am Freitag in Moskau. Neben dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna seien die russische Sberbank und der Autobauer Gaz in der derzeitigen Krise nicht die "allerkräftigsten Partner".
Magna und Partner wollen als Mehrheitseigner mit Hilfe von Opel-Technologie auf dem als aussichtsreich geltenden russischen Automobilmarkt expandieren. Experten in Moskau bezweifeln allerdings, dass der von russischer Seite einkalkulierte Technologietransfer zum Nutzen des hochverschuldeten und abgewirtschafteten Gaz-Konzerns funktioniert.
Nach Ansicht des AHK-Präsidenten ist ein natürlicher Strukturwandel im Automobilsektor unausweichlich. "Bei Überkapazitäten müssen eben die schwächsten Strukturen ausscheiden", sagte Weiss, der auch Vorsitzender der Geschäftsführung der Anlagen- und Maschinenbau-Holding SMS group ist. Die Deutsch-Russische AHK hat mehr als 600 deutsche und russische Unternehmen als Mitglieder. Sie versteht sich als Interessenvertretung aller im bilateralen Geschäft tätigen Firmen.
Derweil liegt das Schicksal von Opel nicht mehr allein in deutscher Hand - das bekommen Politik und Gewerkschaften in diesen Tagen immer zu spüren. Derzeit verhandelt die Opel-Mutter General Motors (GM) mit Interessenten, Informationen fließen nur spärlich nach Deutschland. Zuletzt erboste das Geschäftsgebaren von GM den Betriebsrat von Opel so sehr, dass er den Managern in Detroit "Zockerei" vorwarf.
Für Irritationen sorgten insbesondere Berichte, GM verlange eine Rückkauf-Option auf Opel nach geglückter Sanierung. Doch nach einem Bericht des "Handelsblatts" ist die Rückkauf-Option inzwischen vom Tisch. Das Thema spiele in den Verhandlungen mit dem kanadischen Zulieferer Magna keine Rolle mehr, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Informationen aus den beteiligten Unternehmen und der Bundesregierung. Die Gespräche zwischen GM und Magna kämen gut voran.
Probleme gebe es allerdings noch bei der Frage der Nutzung von GM-Technologie durch Opel sowie die Abgrenzung der Marktgebiete. Selbst auf die Frage, in welchem Umfang Opel künftig Forschungs- und Entwicklungsarbeit machen dürfe, versuche der GM-Mutterkonzern noch Einfluss zu nehmen. GM möchte Opel vor allem vom nordamerikanischen Markt fernhalten sowie der deutschen Tochter den stark wachsenden chinesischen Markt versperren.
Unterdessen berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", dass der chinesische Autohersteller BAIC am Freitag ein nachgebessertes, aber unverbindliches Kaufangebot vorlegen wolle. Ein verbindliches Angebot solle innerhalb von zwei Wochen folgen. Angeblich verlange BAIC vier Milliarden staatlicher Bürgschaften für sein Engagement und damit weniger als Magna. Auch der Finanzinvestor RHJ habe inzwischen ein verbessertes Angebot vorgelegt.
beb/AP/dpa
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