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26. September 2006, 07:54 Uhr

1001 legale Steuertricks

Deutsche Konzerne bremsen den Fiskus aus

Wenn es darum geht, Steuertricks auszunutzen, erweisen sich die deutschen Aktiengesellschaften als wahre Meister. Einer Umfrage zufolge zahlen sie im Schnitt sogar zehn Prozentpunkte weniger als theoretisch nach Recht und Gesetz fällig wären.

Düsseldorf - Fast drei Viertel der 130 Industrie-, Handels- und Dienstleistungskonzerne aus Dax , MDax , SDax , und TecDax schafften es, ihre Steuerquote unter die eigentlich fälligen 38,6 Prozent zu drücken, schreibt das "Handelsblatt". Im Schnitt zahlten die Konzerne nur 28,2 Prozent Ertragsteuern. Das Blatt erstellte die Analyse zusammen mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung an der Universität Saarbrücken und der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting.

Mercedes-Stern: Top-Konzern DaimlerChrysler ist in der Liste der Top-Fünf-Steuerzahler nicht vertreten - sie wird von BASF angeführt
REUTERS

Mercedes-Stern: Top-Konzern DaimlerChrysler ist in der Liste der Top-Fünf-Steuerzahler nicht vertreten - sie wird von BASF angeführt

Ohne Steueroptimierung wären im Jahr 2005 knapp 27 Milliarden Euro an Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer fällig geworden, hieß es. Faktisch betrage der Steueraufwand der Konzerne jedoch nur 19,6 Milliarden Euro. Die öffentliche Hand müsse wegen der Steuer-Findigkeit der Unternehmen auf 7,3 Milliarden Euro Einnahmen verzichten. Die Unternehmen nutzten gesetzliche Möglichkeiten wie Abschreibungen zur Steuergestaltung und niedrigere Gewinnbesteuerung im Ausland.

Größter Steuerzahler unter den Konzernen sei BASF mit 2,25 Milliarden Euro, gefolgt von der Deutschen Telekom mit 1,2 Milliarden, Siemens und Eon mit jeweils 1,1 Milliarden und RWE sowie SAP mit einer Milliarde Euro. Ein Großteil des gesamten Aufkommens der 130 untersuchten Konzerne, knapp 13 Milliarden Euro, werde in nur 20 Unternehmen erwirtschaftet.

Ermittelt wurden nach den Angaben der effektive Steueraufwand aller 130 Konzerne für das Geschäftsjahr 2005 beziehungsweise 2004/2005 unter Herausrechnung von Sondereffekten, die sich daraus ergebende Steuerquote gemessen am Vorsteuerergebnis sowie die tatsächlich gezahlte Ertragsteuer unter Berücksichtigung von Steuererstattungen beziehungsweise -vorauszahlungen.

itz/dpa-AFX

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