15-Jahres-Hoch Inflation verharrt bei 3,3 Prozent

Die Preise steigen weiter: Die Lebenshaltungskosten in Deutschland haben wieder um 3,3 Prozent zugelegt. Damit verharrt die Inflation im Juli auf dem höchsten Stand seit bald 15 Jahren. Preistreiber Nummer eins bleibt das Öl.


Berlin - Ein erneuter Preisschub bei Energie hat die Inflation im Juli auf hohem Niveau gehalten. Die Verbraucherpreise stiegen wie schon im Juni um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Einen kräftigeren Anstieg hatte es zuletzt im Dezember 1993 mit 4,2 Prozent gegeben.

Lebensmitteleinkauf: Inflation bremst den Konsum
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Lebensmitteleinkauf: Inflation bremst den Konsum

Preistreiber Nummer eins blieb das teure Öl. Ein Fass Rohöl kostete am 11. Juli mit mehr als 147 Dollar so viel wie noch nie. In der zweiten Monatshälfte sank der Preis zwar spürbar und liegt derzeit um gut 20 Dollar unter seinem Rekordhoch. Weil die Statistiker aber die Preise zur Monatsmitte auswerten, machte sich dieser deutliche Rückgang in der Teuerungsrate noch nicht bemerkbar.

Sprit verteuerte sich beispielsweise in Hessen um 14,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, Heizöl um 56,5 Prozent, Strom um sechs Prozent und Gas um 5,8 Prozent. Ohne Heizöl und Kraftstoffe hätte die Teuerungsrate bundesweit lediglich 2,2 Prozent betragen. Auch Nahrungsmittel verteuerten sich mit acht Prozent spürbar.

Experten sehen den Höhepunkt der Teuerungswelle erst im August erreicht, wenn die angekündigten Strom- und Gaspreiserhöhungen kommen. "Dann könnte es eine Teuerungsrate von 3,4 oder 3,5 Prozent geben", sagte Commerzbank-Analyst Matthias Rubisch. Ein Grund dafür sei, dass die Preise für Gas und Fernwärme spürbar anziehen dürften. Sie folgen den Ölpreisen meist mit Verzögerung. Nach Angaben des Verbraucherportals Verivox wollen mehr als 100 Gasversorger am 1. August ihre Preise anheben - um bis zu 29 Prozent.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) erwartet gegen Jahresende Inflationsraten von unter drei Prozent, die sich im Laufe des nächsten Jahres der Marke von zwei Prozent annähernd sollten. "Vorausgesetzt, der Ölpreis zieht nicht weiter kräftig an", sagte HWWI-Experte Jörg Hinze. Das Ölkartell Opec hält langfristig einen weiteren Rückgang der Ölpreise auf 80 Dollar je Fass für denkbar. Die heutigen Preise seien "nicht normal", sagte Opec-Präsident Chakib Chelil.

Wegen der starken Inflation fällt der private Konsum nach Einschätzung des Bundesverbandes deutscher Banken auch in diesem Jahr als Konjunkturmotor aus. Die Kaufkraft der privaten Haushalte werde dadurch geschmälert, sagte BdB-Vorstand Manfred Weber.

Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Preise um 0,6 Prozent. Die Monatsrate werde saisonbedingt vor allem durch die Verteuerung von Pauschalreisen (13,8 Prozent) und Ferienwohnungen (27,1 Prozent) beeinflusst, erklärte die Statistikbehörde weiter.

Details zur Preisentwicklung veröffentlicht das Statische Bundesamt am 14. August. Volkswirte rechnen damit, dass die Inflationsrate trotz der aktuell fallenden Ölpreise in Deutschland im August noch einmal anziehen dürfte.

kaz/Reuters/AFP



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