250-Milliarden-Dollar-Paket Bush-Regierung steigt bei allen US-Großbanken ein

Die Bankenkrise zwingt die US-Regierung zur Neufassung ihres Rettungsplans: Präsident Bush und Finanzminister Paulson kündigten eine Teilverstaatlichung führender Institute an. Betroffen sind einem Pressebericht zufolge unter anderem Goldman Sachs, Morgan Stanley, J.P. Morgan Chase und die Bank of America.


Washington - Auch die US-Regierung legt einen Rettungsplan für die Banken auf. Der Staat kaufe für rund 250 Milliarden Dollar Anteile an neun Instituten im Land, kündigte US-Finanzminister Henry Paulson am Dienstag an. Mehrere Banken hätten einen solchen Staatseinstieg bereits akzeptiert. Das Geld solle aus dem vom Kongress beschlossenen Rettungsplan über 700 Milliarden Dollar stammen, der vor kurzem beschlossen worden war. Der Kongress habe die 250 Milliarden Dollar für die Beteiligung an Aktienkapital von Banken freigegeben.

US-Finanzminister Paulson: "Amerikaner verlieren den Glauben an die Wirtschaft"
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US-Finanzminister Paulson: "Amerikaner verlieren den Glauben an die Wirtschaft"

Die US-Börse reagierte positiv auf die Ankündigung. Der Leitindex Dow Jones Chart zeigen kletterte am Dienstag zum Handelsstart zunächst um mehr als 300 Punkte. Am Montag hatte das Börsenbarometer 936 Punkte gut gemacht - das war der bislang höchste Tagesanstieg an der Wall Street.

Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" (WSJ) stehen namhafte Banken auf der Beteiligungsliste. Unter anderem seien Goldman Sachs Chart zeigen, Morgan Stanley Chart zeigen, J.P. Morgan Chase und die Bank of America Chart zeigen betroffen. Später ist demnach auch der Kauf von Anteilen an der Citigroup Chart zeigen und an Wells Fargo & Co. geplant. Wie das "WSJ" berichtet, seien einige der Banken nicht glücklich über die bevorstehende Staatsbeteiligung. Die finanziell soliden Banken mussten offenbar in harten Verhandlungen überzeugt werden, an dem Programm teilzunehmen. Durch die Beteiligung aller Großbanken soll die Staatshilfe Finanzinstitutionen, die die Unterstützung in Anspruch nehmen, nicht stigmatisieren.

Auch Paulson machte deutlich, dass ihm die Intervention nicht behagt: "Diesen Eingriff wollten wir nicht vornehmen, aber wir hatten keine Wahl." Der Minister sprach von einer schweren Vertrauenskrise, die das Finanzsystem belaste und eine enorme Gefahr für die Wirtschaft sei. "Banken leihen sich kein Geld mehr. Und sie leihen kein Geld mehr an Privatpersonen und Unternehmen", sagte Paulson. "Die Amerikaner verlieren den Glauben an die Wirtschaft." Das könne die Regierung nicht akzeptieren. Er betonte: "Die meisten Amerikaner lehnen die Teilhabe der Regierung an US-Unternehmen ab - ich auch." Ohne Teilverstaatlichung komme der Kreditmarkt aber nicht in Fahrt und die Amerikaner bekämen keine Kredite mehr. Paulson fügte hinzu, dass die Hilfsaktion nicht ohne Gegenleistung abläuft. Unter anderem will die Regierung Managergehälter deckeln. Auch Abfindungszahlungen an ausscheidende Führungskräfte sollen begrenzt werden.

US-Präsident George W. Bush hatte das Rettungspaket bereits zuvor gerechtfertigt. Ziel sei es, die Finanzwirtschaft wieder zu beleben sowie die Wirtschaft "wieder auf den Weg des Wachstums" zurückzubringen, sagte Bush am Dienstag in Washington.

Der Kauf von Anteilen und Aktien der Finanzinstitute sei "eine wesentliche, kurzfristige Maßnahme" zur Stabilisierung der Märkte. Später könnten die Banken die Staatsanteile wieder zurückerwerben. Es werde eine Zeit dauern, bis alle staatlichen Schritte zur Stabilisierung des Finanzsektors und der Wirtschaft wirklich voll greifen werden, fügte Bush hinzu. Die Maßnahmen zielten nicht auf eine Verstaatlichung von Banken, sondern auf "den Schutz der Märkte". Er betonte, dass "die Rolle der Regierung begrenzt und vorübergehend" sein werde.

Zuvor hatten auch mehrere Länder der Euro-Zone, darunter Deutschland, Pläne für einen Einstieg des Staates bei Banken vorgestellt. Damit sollen die Banken dringend benötigtes Eigenkapital erhalten, um ihre Geschäfte weiterführen zu können.

suc/kaz/dpa-AFX/AFP/AP

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