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3,18 Millionen für Bahnchef: Mehdorns Gehalt verdoppelte sich 2006

Sein Schaffen als Bahnchef ist gelinde gesagt umstritten - doch der Bund ist mit der Arbeit von Hartmut Mehdorn offenbar zufrieden. Sein Gehalt jedenfalls hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt: Insgesamt strich der Herr der Schienen 3,18 Millionen Euro ein.

Hamburg/Berlin - Hartmut Mehdorn hat kein Problem mit der satten Lohnerhöhung, denn eines müsse man bedenken, erklärte er in der "Bild": "Nur ein Viertel meines Gehalts ist fix. Die restlichen drei Viertel sind vom Erfolg abhängig." Das Geschäft der Deutschen Bahn (DB) brumme: Noch nie habe das Unternehmen so viele Menschen und Güter transportiert wie 2006. "Statt Milliardenverluste zu Lasten der Steuerzahler, so wie früher, machen wir heute einen erheblichen Gewinn. Und im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen sind unsere 230.000 Jobs weltweit sicher", lobte Mehdorn sich und sein Unternehmen.

Bahnchef Mehdorn: "Nur ein Viertel meines Gehalts ist fix. Die restlichen drei Viertel sind vom Erfolg abhängig."
DDP

Bahnchef Mehdorn: "Nur ein Viertel meines Gehalts ist fix. Die restlichen drei Viertel sind vom Erfolg abhängig."

Die Bahn steigerte ihren Umsatz im vergangenen Jahr um knapp 20 Prozent auf 30 Milliarden Euro, wie am Wochenende aus Unternehmenskreisen verlautet war. Genaue Zahlen veröffentlicht der Konzern bei der Vorlage der Bilanz morgen. Bereits heute wurde der Abschluss aber vom Aufsichtsrat gebilligt.

Trotz der guten Zahlen wird Mehdorn von vielen Seiten heftig angegriffen. Kritiker werfen dem Konzernchef etwa vor, er verschleppe seit Jahren die Modernisierung des maroden Schienennetzes. Nach bitterbösen Berichten über den vermeintlich miserablen Zustand der Gleise, kündigte der Konzern kürzlich an, dass in diesem Jahr zahlreiche Hauptstrecken von Grund auf erneuert würden - wodurch unzählige Großbaustellen den Zugverkehr über Monate behindern werden.

Aufsichtsratschef Müller will Börsengang beschleunigen

Mehdorns Steckenpferd ist der Börsengang der Bahn, für den derzeit im Bundesverkehrsministerium eine Gesetzesvorlage erarbeitet wird. Die Frage, ob das Schienennetz vor der Teilprivatisierung aus dem Konzern ausgegliedert wird oder nicht, ist heftig umstritten. Auch der Vorsitzende des Bahn-Aufsichtsrates, der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, mahnte heute erneut eine Einigung beim geplanten Börsengang an. "Das Unternehmen ist kapitalmarktfähig", erklärte Müller. "Jetzt ist es Sache der Politik, die Weichen für eine Teilprivatisierung zu stellen."

Müller verwies auf neue Rekorde beim Transport von Menschen und Gütern. Die Eisenbahn erlebe derzeit eine Renaissance, und die Logistikaktivitäten wiesen hohe Wachstumsraten auf. Nach bereits veröffentlichten vorläufigen Zahlen stieg die Verkehrsleistung im Personenverkehr auf der Schiene um vier Prozent im Vergleich zu 2005. Der Anteil der Schiene, also einschließlich der Konkurrenten der Bahn, am Personenverkehr überhaupt erhöhte sich von 8,9 auf 9,4 Prozentpunkte. Im Güterverkehr gab es einen Leistungszuwachs von elf Prozent, der Anteil am allgemeinen Gütertransportaufkommen stieg um 0,6 Prozentpunkte. Im Güterverkehr wird der Anteil des Wettbewerbs inzwischen auf 17 Prozent geschätzt, insgesamt fahren auf dem deutschen Netz rund 13 Prozent "konzernexterne" Bahnen. Sie steigerten ihre Leistung wesentlich deutlicher als die Töchter der Bahn AG, nämlich um 17 Prozent.

Mehdorn fordert in der "Bild" von der Politik eine steuerliche Gleichbehandlung von Fluglinien und Zugverkehr. "Warum wird das sauberste Transportmittel von der Politik bestraft? Wenn die Billigflieger keine Mineralölsteuer zahlen, dann müsste das gerechterweise auch für die Bahn so sein", sagte er. Der Bahnchef verwies darauf, dass die Fluglinien keine Mineralölsteuer und deshalb auch keine Ökosteuer bezahlen müssten. Dagegen habe die Bahn letztes Jahr fast 400 Millionen Euro Abgaben und Steuern für Energie bezahlt.

ase/AP/AFP

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