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23. Juni 2003, 08:06 Uhr

35-Stunden-Woche

Arbeitskampf lähmt Deutschlands Vorzeigeindustrie

Der Streik der ostdeutschen Metaller geht in die vierte Woche. Vor allem die fein abgestimmten Zulieferketten der Automobilbranche kommen immer mehr aus dem Takt. Bei BMW, DaimlerChrysler und Volkwagen stehen die Fertigungsbänder still.

Automobilproduktion: Vielen Werken geht allmählich der Nachschub aus
DPA

Automobilproduktion: Vielen Werken geht allmählich der Nachschub aus

Hamburg/München - Nach Gewerkschaftsangaben ruhte am Montag in der Volkswagen -Automobilmanufaktur Dresden und dem Volkswagenwerk in Zwickau die Arbeit. Auch der Autozulieferer Cockpit wird weiter bestreikt. In der Branche sind rund 310.000 Menschen beschäftigt. In Sachsen haben mittlerweile acht Unternehmen einen Haustarifvertrag mit der Gewerkschaft ausgehandelt.

Wegen der Streiks zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland stehen auch bei BMW in den Werken Regensburg und München die Bänder still. Wegen des Arbeitskampfs beim Getriebezulieferer ZF sei die Produktion der 3er-Reihe gestoppt worden, bestätigte eine BMW-Sprecherin in München. Insgesamt brauchten mehr als 10.000 Beschäftigte gar nicht erst zur Arbeit erscheinen, gut die Hälfte davon am BMW-Stammsitz München.

Jetzt hat es auch DaimlerChrysler erwischt

Von Arbeitsniederlegungen betroffen waren auch die Unternehmen DeTeWe Service in Berlin, ZF Getriebe in Brandenburg, DaimlerChrysler sowie Thyssen Umformtechnik in Ludwigsfelde, sagte ein Sprecher der IG Metall. Insgesamt sind in Ostdeutschland mit Schwerpunkt Sachsen 9000 Mitglieder zum Streik aufgerufen.

Gewerkschaft und Arbeitgeber hatten am Sonntag erneut ihre Bereitschaft signalisiert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das Ziel sei nicht der Streik, sondern der Kompromiss, sagte IG-Metall-Sprecherin Marlis Dahne. Die Gewerkschaft hatte den Arbeitgebern ein Ultimatum bis zum Mittwoch gestellt, um die Gespräche wieder aufzunehmen.

Auch Politiker mahnten ein rasches Ende des Arbeitskampfes an. Sowohl Bundeskanzler Gerhard Schröder als auch der für den Aufbau Ost zuständige Bundesminister Manfred Stolpe (beide SPD) forderten eine baldige Einigung im Tarifstreit.

Peters: IG Metall flexibel und kompromissbereit

IG-Metall-Vize Jürgen Peters hat den umstrittenen Streik in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie erneut verteidigt und die Haltung der Arbeitgeber kritisiert. "Wir haben den Streik gemacht, weil wir keine anderen Möglichkeiten mehr haben, weil die Arbeitgeber sich am Verhandlungstisch verweigern. Wir wollen endlich, dass die Arbeitgeber ihrer Verhandlungsverpflichtung nachkommen", sagte Peters am Montag im Deutschlandfunk.

Die IG Metall sei für flexible Lösungen und für Kompromisse zu haben, sagte Peters. "Wir haben immer gesagt: Die Arbeitszeitkürzung ist nicht morgen und nicht auf einen Schlag durchzuführen. Wir wollen es in einem Stufenplan, und wenn es so ist, dass die Unternehmen sehr unterschiedlich zu behandeln sind, dann machen wir einen Tarifvertrag mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Auch darüber kann man reden."

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