70-Milliarden-Deal Historische Bankenfusion - Barclays schluckt ABN Amro

Es ist die größte Bankenfusion der Geschichte: Die Barclays-Bank übernimmt für fast 70 Milliarden Euro den niederländischen Konkurrenten ABN Amro. Was die Börse freut, ist für viele Mitarbeiter eine Hiobsbotschaft: 12.800 Stellen fallen weg.


Hamburg - Durch die Übernahme entsteht die nach HSBC zweitgrößte Bank Europas und die Nummer fünf der Welt. Das neue Unternehmen wird mit 220.000 Beschäftigten rund 47 Millionen Kunden betreuen. Barclays Chart zeigen und ABN Amro Chart zeigen planen, den Zusammenschluss im vierten Quartal abzuschließen. Unter dem Strich sollen rund 12.800 Stellen wegfallen.

Barclays-Filiale (in England): 13.000 Stellen fallen weg, die US-Tochter der Niederländer wird abgetrennt
AP

Barclays-Filiale (in England): 13.000 Stellen fallen weg, die US-Tochter der Niederländer wird abgetrennt

Die Aktien von ABN Amro gewannen am Morgen 1,93 Prozent auf 36,99 Euro.

Die neue Holdingfirma soll Barclays PLC heißen und eine Gesellschaft nach britischem Recht werden. Die Konzernzentrale soll aber in Amsterdam ansässig sein. Chairman von Barclays werde Arthur Martinez, John Varley solle zum CEO ernannt werden.

Barclays will die Übernahme mit eigenen Aktien bezahlen. Das Angebot entspricht dem augenblicklichen Börsenwert, der durch Übernahmespekulationen in den vergangenen Wochen stark angestiegen war. Zur Finanzierung der Übernahme verkauft Barclays die US-Tochter von ABN Amro, LaSalle. Sie fällt für 21 Milliarden Dollar an die Bank of America.

Premiere: Hedgefonds entfachte Übernahmeschlacht

Die Übernahmeschlacht um ABN Amro tobte seit Februar. Auch die Royal Bank of Scotland wollte ABN gemeinsam mit der spanischen Banco Santander und der britisch-niederländischen Fortis übernehmen und ABN zerschlagen. Die niederländische Zentralbank und Politiker hatten sich gegen diese Lösung ausgesprochen.

Die Übernahmeschlacht war durch den britischen Hedgefonds TCI unter Führung von Christopher Hohn losgetreten worden, der vor zwei Jahren bereits den Chef der Deutschen Börse AG, Werner Seifert, zu Fall gebracht hatte. TCI hatte das Kostenproblem der ABN Amro hingewiesen und eine Aufspaltung der Bank gefordert.

"TCI war das Streichholz am Ölfass", sagte ein Investmentbanker dem SPIEGEL. Hohn gehört zu einer Speerspitze von sogenannten aktivistischen Fonds, die unterbewertete Unternehmen aufspüren, dort investieren und dann so lange für Radau sorgen, bis eingelenkt wird.

Der niederländische ABN-Chef Rijkman Groenink hatte gehofft, dass schiere Größe auch Schutz und Kraft bedeuten, und in den vergangenen Jahren ziemlich wahllos Kreditinstitute überall auf der Welt zusammengekauft. Doch Aktivisten wie Hohn lassen sich nicht von Größe blenden - sie wollen Gewinn sehen.

Spiel mit dem Feuer

Durch die Fusion steigt der Druck auf deutsche Geldhäuser wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank, die im internationalen Maßstab klein sind und eine verhältnismäßig niedrige Marktkapitalisierung aufweisen. ABN hat fast 40.000 Beschäftigte mehr als die Deutsche Bank. Der Börsenwert liegt mittlerweile höher als der des deutschen Branchenprimus und beträgt gar das Vierfache der Commerzbank. ABN Amro hat in Brasilien, den USA sowie Italien eigene Banken und insgesamt 4500 Filialen weltweit.

Die Deutschen hoffen indes, selbst von den Hedgefonds profitieren zu können. So möchte die Deutsche Bank ihren Anlegern in Zukunft einen Dachfonds anbieten, der in besonders aggressive Hedgefonds wie TCI investiert. "Die Strategie wird von einem gewissen Kundensegment nachgefragt", sagt Vermögensverwalter Keller. Bisher seien nur vier Prozent der Anlagen in der Vermögensverwaltung für reiche Privatleute in Hedgefonds investiert. Das solle langfristig auf über zehn Prozent steigen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer - sowohl für die Anleger wie für die Finanzgiganten.

itz/AFP/Reuters/dpa-AFX



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