95-Gramm-Schokolade Einheitsgrößen für Lebensmittel gelten nicht mehr

Früher war alles klar geregelt: Schokolade gab es als 100-Gramm-Tafel, Mineralwasser im Ein-Liter-Tetrapak. Seit diesem Samstag ist es damit vorbei, die Lebensmittelhersteller können ihre Verpackungsgröße frei wählen - Verbraucherschützer fürchten versteckte Preiserhöhungen.


Frankfurt am Main - Was bisher verboten war, könnte in deutschen Supermärkten bald zum Alltag gehören: Schokolade in der 95-Gramm-Tafel etwa, oder Tafelwasser im 1,2-Liter-Tetrapack. Der Grund ist eine Neuregelung im Lebensmittelrecht - auf Druck der Europäischen Union fallen viele Vorschriften ab diesem Samstag weg.

Tafel Schokolade: Auf Druck der EU fallen viele Vorschriften weg
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Die Hersteller hoffen nun, sich besser auf die Nachfrage der Verbraucher einstellen zu können. Familien bräuchten schließlich andere Verpackungsgrößen als Singles. Dagegen fürchten Verbraucherschützer, dass die Liberalisierung zu versteckten Preiserhöhungen führen könnte.

Theoretisch kann Wasser ab sofort in 0,005-Liter-Behältnissen abgefüllt werden - oder in Zehn-Liter-Packungen. Bei Fruchtsäften, Milch oder Bier ist dieselbe Bandbreite möglich. Nur Wein, Sekt und Spirituosen sind nicht freigegeben, hier gelten nach wie vor die alten Standardgrößen. Bei Zuckerpackungen sind künftig 100 Gramm bis fünf Kilogramm zulässig.

Der Deutsche Getränke-Einzelhandel rechnet bei Mehrwegflaschen trotzdem nicht mit gravierenden Änderungen. Der Grund: Flaschen, Kästen und Abfüllanlagen müssten teuer umgestellt werden. Bei Einwegverpackungen sind neue Flaschengrößen aber durchaus wahrscheinlich.

Verbraucherschützer gehen davon aus, dass vor allem die Discounter ihre Preisgrenzen halten wollen. Gleichzeitig könnten sie aber weniger Inhalt abfüllen - für die Kunden würde es also teurer werden. Nach Erkenntnissen der Verbraucherzentrale Hamburg wurde diese Masche schon bisher bei freigegebenen Lebensmitteln wie Süßigkeiten oder Frühstücksflocken angewandt.

Verbandsvertreter des Handels empfehlen den Verbrauchern, auf die Grundpreisangaben zu achten - also die Kosten je Kilo oder Liter. Das empfehlen auch Verbraucherschützer. Sie beklagen aber, dass diese Angaben oft fehlen.

wal/AP



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