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McDonald's-Kampagne: ich wiege es TM

Von Hendrik Ankenbrand

Fast Food ist out. Doch damit kann sich McDonalds freilich nicht abfinden. Die Werbekampagne "ich liebe es" soll Hamburger und heiße Apfeltaschen wieder in aller Munde bringen. In Deutschland wurde dafür ein anonymer Rapper engagiert, dem die Sache inzwischen offenbar ziemlich peinlich ist.

McDonalds-Kampagne "ich liebe es": Dreistellige Millionen-Dollar-Summe
DPA

McDonalds-Kampagne "ich liebe es": Dreistellige Millionen-Dollar-Summe

München - McDonald's hat der Konkurrenz den Kampf angesagt, und wenn es sein muss, dann eben mit Liebe. "Eine zentrale Bedeutung in der Werbung nehmen Bilderwelten ein, die menschliche Geschichten voller Humor und Lebendigkeit erzählen und die Botschaft "ich liebe es" erlebbar machen", so die beigefügte PR-Mitteilung.

Branchenkenner tippen auf eine dreistellige Millionen-Dollar-Summe, mit deren Hilfe der Konzern das Kunststück vollbringen will, mit einer weltweiten Love-Parade sein Image auf den Kopf zu stellen. Dabei werden nicht nur täglich Hunderte von Spots zu dem großen Gefühlsthema versendet, die Fastfood-Kette will künftig auch "moderne Speisen" anbieten: Leichte Salate, Milch von glücklichen Kühen, Öko-Burger. McDonald's Marketingchef Larry Light: "Wir wollen unserer Marke neues Leben einhauchen und bei McDonald's das Gefühl vermitteln, für immer jung zu sein."

Damit auch niemand anderes eine Liebesoffensive starten kann, wurde der Slogan "i'm lovin' it" auch noch mit einem Trademark™ markenrechtlich geschützt - was dem hochemotionalen Claim etwas die Romantik raubt. Dies könnte angesichts der Größe des Liebesthemas auch kein Fehler sein. "'Ich liebe es' ist eigentlich zu stark, um sie mit einem fettigen Burger in eine Styroporschachtel zu zwängen", befürchtete schon der "Tagesspiegel".

Bei "ich liebe es™" handelt es sich auch nicht etwa um eine "platte Liebeserklärung" oder "ein Eheversprechen", sagt Marketing-Deutschland-Chef Johan Jervøe. Vielmehr gehe es um den "kleinen, alltäglichen Moment", den der Kunde mit McDonald's teile.

Weltweit sind nun also die Sätze "ich liebe es", "c'est tout que j'aime" und "me encanta" Eigentum von McDonald's. Und wenn der Kunde diesen Moment mit Konkurrent Burger King teilen will? "Darf man nicht mehr 'ich liebe es' sagen, wenn man einen Whopper ansieht oder was?", fragen sich bereits besorgte Internet-User auf der Webpage "hirn&verbrannt".

Was "Ich liebe es" nach Ansicht von McDonald's auf gut deutsch heißt, wird seit ein paar Tagen in einem 60-Sekunden Werbespots auf allen Fernsehkanälen serviert. Man muss Anfang zwanzig sein, und etwas total abgefahrenes erleben: Ein Mädchen fällt in einen Pool, ein Fußballfan hat im Bus das Trikot des Gegners an, eine Sportskanone springt beim "Sky-Diving" mit Surfbrett aus dem Flugzeug, ein Mädchen haut ihrem Kumpel beim Kickboxen die Cola aus der Hand. Wow! "McDonald's soll relevant für meinen Alltag sein", sagt Jervøe.

Übergewichtiges Kind: Klagen gegen den Hamburger-Konzern
DPA

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Weil die neue Kampagne für den Fast-Food-Konzern ziemlich teuer ist, hat die Unterhachinger Werbeagentur Heye & Partner die Bilder mit einem Rap unterlegt, der helfen soll, den Spagat zwischen Liebe, Lifestyle und Bulette besser zu bewältigen: "Es geht manchmal zu weit mit uns zu zweit, das gibt mir den Kick von Zeit zu Zeit - 'ich liebe es'", heißt es in der neuartigen Liebeserklärung. Oder: "Ich will Mikrofone statt Mikrowellen, ich brauche keine Herdplatten sondern Plattenteller - 'ich liebe es'".

Sein Gesicht wollte der Liebes-Rapper in dem McDonalds-Clip allerdings nicht zeigen und auch den Namen darf McDonald's-Pressesprecher Frank Bleker nicht verraten. Der sei halt "sehr authentisch" und "tief in der Hip-Hop-Szene verwurzelt." Der Spot hat ein Medienwunder geboren: Reim-Stil und Stimme ähneln zwar auf verblüffend starke Weise denen von João dos Santos, genannt Ju, von der Stuttgarter Rap-Combo "Massive Töne". Doch der Sänger und sein Manager bestreiten vehement eine Beteiligung am Werbespot.

McDonald's: Weltweit kein Wachstum mehr
AFP

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Gut möglich, dass dem McDonalds-Sänger - wer immer es auch sein mag - der Text im Nachhinein selbst etwas peinlich ist. Denn im Werbesong heißt es unter anderem wörtlich: "Es ist nichts so wie es scheint, es kommt drauf an wie man's verkauft".

Falls Slogan und Spots auch den McDonalds-Managern inzwischen auf die Nerven gehen sollten - die Kampagne ließe sich überarbeiten. Wie wäre es mit: "Ich wiege es"? Auf der deutschen Firmen-Webseite gibt es dafür schon einen "Nährwert-Rechner". Hier erfährt der interessierte Kunde beispielsweise, dass der Verzehr von sieben BigMac's mit zusammen 21.808,5 Kilojoule zu Buche schlägt.

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