DIW-Berechnung Ökonomen sagen Ölpreis von 200 Dollar voraus

100 Dollar pro Barrel Öl sind noch gar nichts, glauben die Wissenschaftler vom Wirtschaftsinstitut DIW. Nach dem gestrigen Rekord erklären sie: Im Laufe der kommenden zehn Jahre dürfte sich der Preis verdoppeln.


Berlin – Horrorszenario für den Ölmarkt: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat hochgerechnet, in welchen Zeiträumen der Ölpreis nach dem Rekord von 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) steigen wird. "Die Ölvorräte werden zunehmend knapp, und das wird die Preise weiter hochtreiben", sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert der "Berliner Zeitung".

Ölfeld in China: Der Rohstoffhunger gerade von Schwellenländern wächst trotz der steigenden Preise
DPA

Ölfeld in China: Der Rohstoffhunger gerade von Schwellenländern wächst trotz der steigenden Preise

Der jüngste Preisanstieg sei allerdings zu großen Teilen spekulationsbedingt, sagte Kemfert: "Der Anteil am Ölpreis, der auf Spekulation zurückzuführen ist, dürfte etwa 20 Prozent betragen." Eine Entspannung sei in den nächsten Wochen nicht zu erwarten: "Ich rechne kurzfristig sogar eher mit einem weiteren Anstieg bis auf 105 Dollar."

Schon 2007 ist der Ölpreis insgesamt um 57 Prozent gestiegen. Gestern schnellte er dann zwischenzeitlich genau auf die Marke von 100 Dollar pro Fass. Besonders der schwache Dollar, Sorgen um die Lagerbestände sowie politische Turbulenzen hatten für den Rekord gesorgt, sagen Experten. Inzwischen hat sich die Lage wieder etwas entspannt: Ein Fass der Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Auslieferung im Februar kostete am Morgen 99,46 Dollar und damit 16 Cent weniger als zum Handelsschluss gestern.

Doch außer den DIW-Wissenschaftlern gehen auch andere Experten davon aus, dass es langfristig nicht zu einer Entspannung auf dem Ölmarkt kommen wird. "Wir können uns kaum ein Szenario vorstellen, bei dem wir keinen kontinuierlichen Preisanstieg sehen würden", sagt etwa Kevin Norrish, Analyst bei Barclays Capital in London. Kris Voorspools, Analyst bei Fortis in Brüssel, erklärt schlicht: "Dem liegen simple Nachfrage- und Angebotsprinzipien zugrunde." Die Nachfrage sei bisher trotz der steigenden Preise hoch geblieben, sagt auch Norrish.

Die Internationale Energieagentur sagt in ihrer Analyse vom November 2007 einen jährlichen Nachfrageanstieg von 1,3 Prozent bis zum Jahr 2030 voraus. Zudem sei ein Versorgungseinbruch 2015 nicht auszuschließen, heißt es in dem im November veröffentlichten Report.

Nauman Barakat, Senior Vize-Präsident bei Macquarie Futures in den USA, sagt auf die Frage nach der Entwicklung in den nächsten drei bis fünf Jahren dagegen, er könne sich sowohl sinkende als auch weiter steigende Ölpreise vorstellen. Es komme darauf an, ob die weltweite Nachfrage wie bisher trotz anziehender Preise gleich hoch bleibe. "Die Preise könnten noch sehr viel höher steigen wegen der anhaltend starken Nachfrage aus Brasilien, Indien und China. Aber auf der anderen Seite könnten sie auch sinken, weil die bisher steigenden Preise eine weltweite Rezession auslösen."

ase/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.