A380-Evakuierung Airbus meldete aus Versehen Testpanne

Bei der gestrigen A380-Evakuierungsprobe lief alles perfekt für Airbus - fast alles. Irrtümlich verschickte der Konzern die falsche Pressemeldung. Darin hieß es, der Test sei abgebrochen worden.


Toulouse/Hamburg - "Nach einem Druckverlust in einer der Notrutschen während des Evakuierungstests" sei die Demonstration abgebrochen worden, hieß es in einer von Airbus verbreiteten Pressemitteilung. "Unsere Gedanken sind vor allem bei den Personen, die Verletzungen erlitten haben", wurde dort A380- Programmchef Charles Champion zitiert.

A380 in Hamburg: Evakuierungserfolg wurde als Panne verkauft
REUTERS

A380 in Hamburg: Evakuierungserfolg wurde als Panne verkauft

Ein Fehler, wie sich schnell herausstellte. Tatsächlich wurde der Test gestern wie vorgeschrieben durchgeführt. Am Ende konnte Airbus die insgesamt 873 Probanden binnen 90 Sekunden evakuieren. Noch am Sonntagabend gratulierte die europäischen Luftsicherheitsbehörde EASA zum Erfolg. "Wir sind sehr zufrieden", sagte Norbert Lohl, EASA-Spezialist für Zertifizierungen, nach dem Test.

In einer Korrektur entschuldigte sich Airbus später für den Fehler. "Ein Entwurf wurde aus Versehen geschickt", bestätigte die Pressestelle in Hamburg. Der zunächst veröffentlichte Text enthielt auch den internen Vermerk: "Ich würde zwei Texte vorbereiten. Einen für Druckverlust und leichte Verletzungen und (...) einen für schwere Verletzungen."

Tatsächlich brach sich einer der Übungsteilnehmer gestern das Bein und es gab mehrere Leichtverletzte. Der Zulassung des Flugzeugs dürfte das aber nicht beeinträchtigen. Was zählt, war, dass die Notrutschen hielten und alle Insassen in der vorgeschriebenen Zeit aus dem Flugzeugrumpf entkommen konnten.

Die Börse reagierte heute positiv auf den Erfolg, die Aktien der Airbus-Mutter EADS verbuchten ein Kursplus. Mit dem Test sei ein Meilenstein auf dem Weg zu einer Zertifizierung erreicht, hieß es in einer Studie. Die Analysten der Landesbank Rheinland Pfalz (LRP) erklärten, bei einem Nichtbestehen wäre eines der wichtigsten Verkaufsargumente des A380 aufs Spiel gesetzt worden. Hintergrund sei, dass das Flugzeug speziell mit der Fähigkeit vermarktet werde, bis zu 853 Passagiere zu befördern, hieß es von der LRP. Bislang seien A380-Flugzeuge jedoch nur mit einer Passagierzahl von bis zu 644 Fluggästen bestellt worden.

Unterdessen hat bei Airbus die Detailauswertung begonnen. "Die Videoaufzeichnungen und Befragungen werden genau analysiert", sagte ein Sprecher. In den folgenden Wochen absolviert der A380 ein anspruchsvolles, aber weniger spektakuläres Programm: Bei Probeläufen am Boden und in der Luft werden alle Systeme ausprobiert, die für den Passagierservice notwendig sind. Dazu gehören Klimaanlagen, Unterhaltungselektronik, Waschräume oder Bordküchen.

Baustopp gegen Hamburger Startbahn aufgehoben

Gleichzeitig kann der Flugzeugbauer einen wichtigen Punktsieg im Ringen um die Start- und Landebahnverlängerung des Hamburger Werks verbuchen. Das Verwaltungsgericht der Hansestadt hat den Baustopp für die Verlängerung aufgehoben. Damit sei dem Antrag von Airbus und der Stadt Hamburg entsprochen worden, teilte das Gericht heute mit.

A380-Evakuierung: Ablauf des Tests
DER SPIEGEL

A380-Evakuierung: Ablauf des Tests

Der Baustopp war zum Schutz von Grundstückseigentümern verhängt worden, die für einen weiteren Ausbau der Start- und Landebahn hätten enteignet werden sollen. Nachdem die Stadt die benötigten Grundstücke gekauft und planerische Änderungen vorgenommen habe, sei der Weg frei für eine Startbahnverlängerung. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass nach der Änderung der Planung das öffentliche Interesse der Landebahnverlängerung gegenüber dem privaten Interesse der Anwohner an einem Baustopp zurücktreten müsse.

suc/dpa/Reuters/dpa-AFX



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Seite 1
Joachim Baum 27.04.2005
1.
---Zitat von sysop--- Die Heckflosse so hoch wie das Brandenburger Tor, ein Elefant wirkt winzig dagegen: Mit dem Airbus 380 beginnt eine neue Dimension der Gigantomanie in der Luftfahrt. Zu erwartende lange Boardingzeiten und heikle Sicherheitsszenarien für den Riesenflieger dämpfen bei manchen die Vorfreude. Möchten Sie mit dem neuen A 380 fliegen? Fasziniert Sie die Technik oder schreckt sie eher ab? ---Zitatende--- Ich warte erst mal ab, ob er heute wieder heil runterkommt ...
Dominik Menakker, 27.04.2005
2. Fahr doch Fahrrad!
Ach, sind wir wieder soweit? Alles neue ist per se Wahnsinn. Was wir nicht kennen macht uns Angst? Die Franzosen sind stolz wie Oskar, wenn ihr Riesenbaby heute abhebt. Die Deutschen prozessieren gegen eine Startbahn. Es ist mal wieder soooooooo typisch. Ach ja, und zur Hauptfrage. Natürlich freue ich mich auf den Vogel. Jeder der viel und gerne fliegt wird das tun.
DJ Doena 27.04.2005
3.
Ich habs in meinem Leben bisher nur in verschiedene Boings geschafft, noch nie in einen Airbus, aber wenn es um den Wettstreit Europa vs. USA geht, dann steh ich natürlich voll und ganz auf dem Boden des "alten Europas". Was ich bedauerlich am neuen 380 finde, ist, dass die Fensterchen wieder verdammt klein zu sein scheinen. Herrje, es muss doch möglich sein, ein Flugzeug zu konstruieren, dass mehr als nur diese Bullaugen zum rausgucken hat...
Peter Jelinski, 27.04.2005
4.
---Zitat von DJ Doena--- Ich habs in meinem Leben bisher nur in verschiedene Boings geschafft, noch nie in einen Airbus, aber wenn es um den Wettstreit Europa vs. USA geht, dann steh ich natürlich voll und ganz auf dem Boden des "alten Europas" ---Zitatende--- Mir geht es genauso. Ich brauche noch den 747 um alle Boeing Modelle zu kennen, und hoffe bald in einem Airbus zu sitzen.
webwiese, 27.04.2005
5.
---Zitat von Dominik Menakker--- Die Franzosen sind stolz wie Oskar, wenn ihr Riesenbaby heute abhebt. Die Deutschen prozessieren gegen eine Startbahn. Es ist mal wieder soooooooo typisch. ---Zitatende--- Kann Ihnen nur 100%ig zustimmen. Wann hören wir endlich auf, ständig das Miese zu suchen? Wir preisen den Technologiestandort und stellen gleichzeitig seine Ergebnisse in Frage! Thema: Einen vor und zwei zurück! Zur Sache: Der A380 ist die konsequente Fortführung der Flugzeugtechnologie. Mit steigendem Flugverkehr werden auch größere und rationalere Flugzeuge gebraucht. Waren es nicht die Saudis, die schon vor dem Jungfernflug nach noch größeren Fliegern gerufen haben? Ich wünsche Airbus viel Erfolg, auch - und gerade - um im Wirtschaftswettkampf mit unseren "Freunden" aus den USA nachwievor wettbewerbsfähig bleiben zu können. Gruß Christian Wiese
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