Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

A380-Krise: Airbus will bei Material, Verwaltung und Qualitätssicherung sparen

Airbus-Chef Streiff hat erste Hinweise gegeben, wie er mit dem Programm "Power 08" Milliarden Euro einsparen will. Gekürzt werden sollen Ausgaben für Material, Qualitätssicherung, Verwaltung und Zeitarbeit. Die gute Nachricht: In der Fertigung sollen alle Jobs erhalten bleiben.

München - "Ich erwarte keine Reduzierung der Stellen bei den Werkern, weil die Auftragsbücher voll sind", sagte Airbus-Chef Christian Streiff dem "Hamburger Abendblatt". Dagegen müsse bei Zeitarbeitskräften außerhalb der Produktion gespart werden. "Zahlen gibt es bisher noch keine. Sie sollen möglichst im November vorliegen", sagte er.

A380 bei der Landung in Toulouse: "Wir müssen bei Airbus den Lebensstandard ändern"
AFP

A380 bei der Landung in Toulouse: "Wir müssen bei Airbus den Lebensstandard ändern"

Für das Sparprogramm mit einem Volumen von zwei Milliarden Euro sollen die Kosten bei Material, Qualitätssicherung und Verwaltung um 30 Prozent gesenkt werden, sagte Streiff. Zudem werde Airbus weniger Aufträge für Beratung und Werbung vergeben. "Wir müssen bei Airbus schon den Lebensstandard ändern", ergänzte der erst seit Sommer amtierende Airbus-Chef.

Streiff bekräftigte, über die Arbeitsverteilung zwischen den verschiedenen Airbus-Werken solle frühestens Anfang 2007 entschieden werden. Bis dahin würden Ideen gesammelt und geordnet sowie mit Politik und Sozialpartnern gesprochen. Er schloss weder längere Arbeitszeiten noch Lohnkürzungen und Abstriche bei Weihnachts- oder Urlaubsgeld aus. "Diese Dinge stehen aber nicht auf der Tagesordnung", sagte der Manager.

Am Donnerstag trifft sich Streiff mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Der betonte am Mittwoch, dass deutsche Werke bei den geplanten Einschnitten nicht benachteiligt werden dürften. "Bund und Länder haben in den vergangenen Jahrzehnten wesentliche Beiträge zur Erfolgsgeschichte von Airbus geleistet, verbunden mit dem Aufbau von technologisch hochwertigen Arbeitsplätzen." Er gehe davon aus, "dass die unvermeidlichen Schritte zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung dabei für alle Standorte ausgewogen erfolgen und gegebenenfalls Lasten fair verteilt werden", fügte der Minister hinzu. Auch Finanzminister Peer Steinbrück warnte vor einem einseitigen Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland.

In der Branche wird spekuliert, dass Airbus die Fertigungsanteile für den doppelstöckigen A380 von Hamburg abziehen und nach Toulouse verlagern könnte. Im Gegenzug könnte die Montage des zweistrahligen Modells A320 dem Hamburger Werk zugeschlagen werden.

Der Airbus-Mutterkonzern EADS Chart zeigen hatte am Dienstag eine weitere Lieferverzögerung beim A380 um durchschnittlich ein Jahr angekündigt, wodurch der Gewinn bis 2010 im Vergleich zu den Planungen vor bekannt werden der Probleme um 4,8 Milliarden Euro belastet wird. Um dies auszugleichen und um auf den schwachen Dollar-Kurs zu reagieren, hatte Airbus ein neues Sparprogramm mit der Bezeichnung "Power8" angekündigt, mit dem in den kommenden Jahren mehrere Milliarden Euro eingespart werden sollen.

tim/Reuters/dpa/AFP/Dow Jones

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: