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Abramowitschs Yacht-Coup: Meine Milliarden, mein Schiff, mein Ego

Von Helmut Reich

Im Wettstreit der Superreichen greift Roman Abramowitsch seine finanzkräftigen Mitstreiter an: Jetzt will er die längste Yacht der Welt besitzen - die wird heimlich in Hamburg gebaut.

Hamburg - Wer zu viel Geld hat, engagiert sich sozial. Oder sucht sich ein teures Hobby, zum Beispiel einen Fußballklub. Roman Abramowitsch legte sich den FC Chelsea zu und will fortan immer die Nummer eins damit sein. Doch der Londoner Club steht derzeit nur auf dem zweiten Rang in der englischen Liga, obwohl der Milliardär schon mehr als 400 Millionen Euro in die Mannschaft gesteckt hat.

Zeit für den enttäuschten Abramowitsch, sich verstärkt um sein zweites Hobby zu kümmern: Yachten, immer mit dem Zusatz Mega. Seine drei Luxusschiffe "Pelorus", "Le Grand Bleu" und "Ecstasea" sind zwar luxuriös ausgestattet, doch in der Kategorie Länge bringen es einige andere auf ein paar Meter mehr. Grund genug für den Russen, nun einen neuen Richtwert in diesem bizarren Milliardärsstreit zu setzen und die Fertigstellung einer neuen Yacht in Auftrag zu geben.

Dieses Schiff wird derzeit geheimnisumwittert im Hamburger Hafen gebaut. Das mit dem Bau beauftragte Unternehmen, ThyssenKrupp Marine Systems, gibt sich bedeckt, lediglich eine Pressemitteilung aus dem vergangenen Jahr über den "Auftrag einer weiteren Luxusyacht" gibt einen Hinweis. Der Vertragsabschluss unterstreiche die Spitzenposition des Unternehmens im Bereich der faszinierenden Großyachten, heißt es. Man würde diesen Auftrag also wohl gern öffentlichkeitswirksam ausschlachten, doch der Vertrag mit Abramowitsch verbietet dies wahrscheinlich.

Abramowitsch-Yacht "Pelorus": Zur Grundausstattung gehört ein eigener Hubschrauberlandeplatz
DPA

Abramowitsch-Yacht "Pelorus": Zur Grundausstattung gehört ein eigener Hubschrauberlandeplatz

Im Hamburger Hafen wurde das Geheimnis um den unbekannten Auftraggeber gelüftet: Gut versteckt im Dock 5 am Steinwerder Kai bei Blohm + Voss hat der Bau der neuen Abramowitsch-Yacht bereits begonnen. Und auch der Name des Schiffs ist durchgesickert: Es soll "Eclipse" heißen, Sonnenfinsternis, und mit einer Länge von 155 Metern an dem bisherigen Spitzenreiter, der 147 Meter langen "Prince Abdul Aziz" des verstorbenen saudi-arabischen Königs Fahd vorbeiziehen.

Wird die Yacht des russischen Milliardärs also bei Fertigstellung die längste der Welt sein? Abramowitsch droht Konkurrenz: Der Kronprinz von Dubai, Scheich Mohammed Ibn Raschid Al Maktum, lässt quasi zeitgleich an einer Yacht basteln, die sogar 163 Meter lang sein soll. Für diesen Fall wird Abramowitsch sicher schon eine Lösung parat haben, wie die fehlenden Meter noch elegant dazu gewonnen werden können.

Was passiert am 11. Juli 2010?

Abramowitsch kennt den Schiffsbauer Blohm + Voss gut. Der Hamburger Spezialist für große Yachten hatte im Herbst 2006 des vergangenen Jahres "Le Grand Bleu" zur Reparatur im Dock, der Russe überzeugte sich persönlich von den Fortschritten - vielleicht kann das 1990 gebaute Schiff nach der Überholung noch für gutes Geld verkauft werden?

Flüssige Mittel sind vorhanden - das Vermögen von Abramowitsch wird auf 15 Milliarden Euro geschätzt. Doch die "Eclipse" ist auch nach den Maßstäben eines Milliardärs nicht billig: 200 Millionen Euro soll die Jacht mindestens kosten. Damit wird sogar die alte Yacht-Faustregel "Ein Meter, eine Million Euro" außer Kraft gesetzt - auch ein Anzeichen für den Luxus, der innerhalb der Yacht verbaut werden wird. Die Zulieferindustrie darf sich also über viele Großaufträge freuen.

So soll auch ein großes Außenschwimmbecken zum neuen Luxus auf der "Eclipse" gehören. Grundausstattung der Abramowitsch-Yachten ist mittlerweile ein eigener Hubschrauberlandeplatz. So ist der Milliardär immer flexibel und kann seine Schiffe als Basis für Ausflüge nutzen. Zuletzt bei der Fußballweltmeisterschaft im Sommer 2006 in Deutschland, als er mit der 115 Meter langen Yacht "Pelorus" im Lübecker Hafen residierte und von dort mit seinem Hubschrauber zu den einzelnen Spielen flog.

Im Jahr 2010 findet die nächste Fußball-WM statt - in Südafrika. Abramowitsch wird auch dann wieder seine beiden liebsten Hobbys verbinden wollen. Man liegt wohl nicht falsch, wenn man prophezeit, dass die "Eclipse" für einige Wochen im Yachthafen von Kapstadt festmachen wird.

Am 11. Juli 2010 steigt das große Finale des Fußballspektakels, sicher auch mit Spielern, die bei Abramowitsch unter Vertrag stehen. Hebt der Milliardär dann per Hubschrauber von seiner "Eclipse" Richtung Johannesburg ab, wird das ein ganz besonderer Moment sein: Am Tag des Endspiels erleben nämlich Teile der Südhalbkugel eine seltene totale Sonnenfinsternis - der Coup des Roman Abramowitsch wäre perfekt.

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