Abschied des Ex-Post-Chefs Mitarbeiter feiern Zumwinkel mit stehenden Ovationen

Emotionen pur: Im Post Tower hat sich Steuersünder Klaus Zumwinkel von seinen Mitarbeitern verabschiedet. Mit frenetischem Applaus feierten sie ihren Ex-Chef, Zumwinkels Nachfolger kämpfte mit den Tränen, fiel ihm mehrfach um den Hals.


Bonn - Zu der Verabschiedung hatte der Betriebsrat eingeladen. Es sei der sehr starke Wunsch der Mitarbeiter gewesen, "noch einmal ein Signal zu setzen" und Zumwinkel nach teils langjähriger Zusammenarbeit zu danken, sagte ein Post-Sprecher. "Alle hatten das Gefühl, nach dieser medialen Schlacht könne es das nicht gewesen sein." Der ehemalige Vorstandsvorsitzende selbst habe in bewegenden Worten noch einmal die rund 18 Jahre an der Spitze des Konzerns und die Entwicklung von der Behörde zum globalen Unternehmen Revue passieren lassen.

Klaus Zumwinkel: Tränen zum Abschied (Archiv)
DDP

Klaus Zumwinkel: Tränen zum Abschied (Archiv)

Teilnehmer beschrieben die nicht öffentliche Versammlung, die etwa eine drei viertel Stunde dauerte, anschließend als teilweise sehr emotional. Der Saal im Bonner Post-Tower sei "brechend voll" gewesen. Die Mitarbeiter hätten ihrem ehemaligen Chef stehend stürmischen Beifall geklatscht.

Zumwinkel habe seinen früheren Mitarbeitern gesagt, er befinde sich "seit zwei Wochen in einem Film, in dem er eigentlich nicht sein will". Er habe das Handtuch als Post-Chef geworfen, um dem Unternehmen keinen Schaden zuzufügen.

Zumwinkels Nachfolger Frank Appel habe ausführlich die Verdienste seines Vorgängers gelobt. Er sei während seines Vortrags, bei dem er mit den Tränen gekämpft habe, Zumwinkel mehrfach um den Hals gefallen.

Zumwinkel wird verdächtigt, über eine Million Euro Steuern über eine Stiftung im Fürstentum Liechtenstein hinterzogen zu haben. Ein Haftbefehl war gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden, da sich Zumwinkel laut Staatsanwaltschaft zum Vorwurf eingelassen und eine Sicherheitsleistung "in nicht unerheblicher Höhe" angeboten hatte. In der vergangenen Woche waren Razzien gegen bundesweit weitere 150 Beschuldigte durchgeführt worden. Dabei hatten laut Staatsanwaltschaft Bochum 91 Personen den Sachverhalt eingeräumt und zum Teil bereits Abschlagszahlungen von bisher 27,8 Millionen Euro auf ihre Steuerschuld geleistet.

mik/ddp/AP

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achwas! 14.02.2008
1.
Zitat von sysopDer Fall Zumwinkel zeigt, dass offensichtlich noch immer immense Steuerflucht-Schlupflöcher existieren - die Staatsanwaltschaft Bochum geht offensiv dagegen vor. Müssen Steuerhinterzieher härter als bisher bekämpft werden?
Sicher ... ... es handelt sich stets um Betrug an der Gemeinschaft.
mitwisser, 14.02.2008
2.
Zitat von sysopDer Fall Zumwinkel zeigt, dass offensichtlich noch immer immense Steuerflucht-Schlupflöcher existieren - die Staatsanwaltschaft Bochum geht offensiv dagegen vor. Müssen Steuerhinterzieher härter als bisher bekämpft werden?
Hey moment mal, wenn die Steuerschlupflöcher legal sind, ist alles in Butter! Allerdings bei Steuerhinterziehung sollten wir anders mit den Kameraden umgehen. Aber das schon bei der Steuererklärung. Mit diesem Mist kann man sich tagelang abasten und auch noch bezahlen. Der Staat sollte seinen Bürgern mehr Vertrauen entgegen bringen: die Steuerschuld aus dem Einkommen, welches der Steuerbürger angibt, berechnen und einnehmen. Sollte es da zu Diskrepanzen oberhalb von Toleranzgrenzen kommen ( Bei Kontrollen ), dann sollten die Vögel auch schnell eingeknastet werden. In den USA läuft das wohl so ähnlich und das ist gut! Hier haben wir die Untertanen- und Kontroll-Mentalität aus dem 19. Jahrhundert, die nur extreme Kosten verursacht. Also mehr Vertrauen und gleichzeitig bei Mißbrauch dieses Vertrauens: Knast. Das dürfte abschreckend sein! Allerdings muß auch die Frage erlaubt sein, ob es sich angesichts von alljährlich wiederkehrenden Steuerverschwendungen in Milliarden-Höhe nicht schlicht um Notwehr handelt, wenn man nicht alles angibt. Schließlich wird dadurch das schwer verdiente Geld des Steuerzahlers in der Kanalisation versenkt....
firstart 14.02.2008
3.
Zitat von mitwisserHey moment mal, wenn die Steuerschlupflöcher legal sind, ist alles in Butter! Allerdings bei Steuerhinterziehung sollten wir anders mit den Kameraden umgehen. Aber das schon bei der Steuererklärung. Mit diesem Mist kann man sich tagelang abasten und auch noch bezahlen. Der Staat sollte seinen Bürgern mehr Vertrauen entgegen bringen: die Steuerschuld aus dem Einkommen, welches der Steuerbürger angibt, berechnen und einnehmen. Sollte es da zu Diskrepanzen oberhalb von Toleranzgrenzen kommen ( Bei Kontrollen ), dann sollten die Vögel auch schnell eingeknastet werden. In den USA läuft das wohl so ähnlich und das ist gut! Hier haben wir die Untertanen- und Kontroll-Mentalität aus dem 19. Jahrhundert, die nur extreme Kosten verursacht. Also mehr Vertrauen und gleichzeitig bei Mißbrauch dieses Vertrauens: Knast. Das dürfte abschreckend sein! Allerdings muß auch die Frage erlaubt sein, ob es sich angesichts von alljährlich wiederkehrenden Steuerverschwendungen in Milliarden-Höhe nicht schlicht um Notwehr handelt, wenn man nicht alles angibt. Schließlich wird dadurch das schwer verdiente Geld des Steuerzahlers in der Kanalisation versenkt....
Es ist nur mit ziemlicher krimineller Energier möglich viel Geld am Staat vorbei zu schleusen. Auf der anderen Seite kassiert das Finantamt derart unverschämt ab, das ich durchaus ein gewisses Verständnis dafür aufbringen kann. Zumal, wie sie selber sagen - man sein Geld auch aus dem Fenster werfen kann. So findet es vielleicht jemand der etwas damit anfangen kann. Beim Staat ist das sicherlich nicht der Fall. Zumwinkel ist für mich gestorben. Nicht weil er Millionen am Fiskus vorbei geschoben hat (zumindest der Vermutung nach), sonder weil er sich mit seinem Wissen auch noch erwischen lässt. Unfassbar!
Mule, 14.02.2008
4. Schlupflöcher? Wo?
Zitat von sysopDer Fall Zumwinkel zeigt, dass offensichtlich noch immer immense Steuerflucht-Schlupflöcher existieren - die Staatsanwaltschaft Bochum geht offensiv dagegen vor. Müssen Steuerhinterzieher härter als bisher bekämpft werden?
Die Schlupflöcher gibt es nur für die "Oberen Zehntausend". Der "Otto Normalverbraucher muß bereits 6,57€ Zinsgewinn auf seinem Girokonto versteuern und Soli dafür entrichten. Außerdem muß O.NV. jedes Jahr all seine Einkünfte in der Steuererklärung angeben, ansonsten wird die Kontoführende Bank befragt. So wird es in Niedersachsen gehandhabt - vorher ging man in Bayern und BaWü wesentlich kulanter mit uns um. Das ist Wulffi, der Lieblingsschwiegersohn aller Mütter!!!!!!!!!
Baptist 14.02.2008
5. Habe ich mir doch gedacht ...
... dass der feine Herr mehr oder weniger ungeschoren davon kommt. Jeder kleine Krauter käme wegen Verdunkelungsgefahr in U-Haft, jeder kleine A.... müsste um seinen Arbeitsplatz bangen. Es kommt anscheinend nur auf die Dimensionen an. Die Kleinen hängt man wegen den mehr oder weniger steuerlichen Kleinigkeiten, die sie begehen können, die Großen lässt man laufen. Da hilft das ganze großkotzige Gerede von der Verfolgung von Steuerflüchtlingen nichts.
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