Abschwung Inkasso-Branche rechnet mit mehr Firmenpleiten

Finanzkrise und Konjunkturflaute belasten zusehends die Unternehmen. Inkasso-Firmen erwarten für das kommende Jahr eine Zunahme der Pleiten. Auch bei den insolventen Verbrauchern zeichnet sich keine Entspannung ab.


Berlin - Die Aussichten für Unternehmen sind düster: Rund 35.000 Insolvenzen seien 2009 möglich, nach 30.000 in diesem Jahr, sagte Wolfgang Spitz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) am Dienstag in Berlin. Betroffen seien vor allem die Dienstleistungsbranche, das Handwerk und der Bau.

Insolventer Konzern Hertie: Unternehmen am Rande der Rezession
DDP

Insolventer Konzern Hertie: Unternehmen am Rande der Rezession

Im BDIU sind 539 der insgesamt gut 700 in Deutschland tätigen Inkassounternehmen organisiert. Die Firmen treiben im Auftrag von Gläubigern Schulden ein.

Vor allem für kleinere und mittelständische Unternehmen sei es in den letzten Monaten zunehmend schwieriger geworden, über ihre Banken Kredite zu bekommen, sagte Verbandschef Spitz. "Dies ist eine unmittelbare Auswirkung der Finanzkrise", erklärte er.

Auch die konjunkturelle Entwicklung beurteilt der Verband pessimistisch. Es zeige sich, dass der kräftige Aufschwung vorbei sei. "Wir stehen am Rande der Rezession", sagte Spitz. Es komme für die Unternehmen jetzt darauf an, ihre Liquidität zu sichern. Dazu gehöre eine angemessene Ausstattung mit Eigenkapital und ein schnelles Mahnen offener Beträge.

Als problematisch bezeichneten die Inkasso-Unternehmen das Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand. Laut BDIU-Herbstumfrage haben nur zwei Prozent der Inkassounternehmen gemeldet, dass öffentliche Auftraggeber besser bezahlten als im Frühjahr. Mitverantwortlich dafür seien die hohen Außenstände der Städte und Gemeinden, die der BDIU auf über zwölf Milliarden Euro bezifferte.

Bei den Verbraucherinsolvenzen erwartet der BDIU für 2008 einen leichten Rückgang auf rund 100.000. Im Jahr 2007 lag die Zahl noch bei über 105.000. Grund sei neben der rückläufigen Arbeitslosigkeit die bevorstehende Vereinfachung des Verfahrens für mittellose Schuldner. "Daher warten zurzeit viele Betroffene mit einem Antrag", betonte Spitz. Mit drei Millionen überschuldeten Haushalten bleibe die Zahl der potentiellen Antragsteller allerdings unverändert hoch.

suc/AP



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