Abschwung Ölnachfrage sinkt erstmals seit 25 Jahren

Die Konjunkturkrise lastet auf dem Ölmarkt. Nach Angabe der Internationalen Energieagentur dürfte die Nachfrage im laufenden Jahr schrumpfen. Es wäre der erste Rückgang seit 1983.


Paris - Die schwierige Wirtschaftslage hinterlässt Spuren an den Ölmärkten. Für 2008 erwartet die Internationale Energieagentur (IEA) wegen des Konjunktureinbruchs nur noch einen Verbrauch von durchschnittlich 85,8 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag. Das sind 350.000 Barrel pro Tag weniger als bisher prognostiziert und 200.000 Fass weniger als im Jahr 2007. Zuletzt hatte es vor 25 Jahren einen Rückgang der Nachfrage gegeben.

Ölfässer in Indonesien: Rezession lässt Nachfrage schrumpfen
REUTERS

Ölfässer in Indonesien: Rezession lässt Nachfrage schrumpfen

Für 2009 rechnet die Organisation angesichts der besseren Wirtschaftsaussichten für die zweite Jahreshälfte wieder mit einem leichten Anstieg der Nachfrage. Die ursprüngliche Prognose sei jedoch erneut um 200.000 Barrel auf 86,3 Millionen Barrel pro Tag gesenkt worden, erklärte die IEA.

Als Hauptgrund für die Revision der Prognosen nannte die IEA unter anderem die Entwicklung in den USA. Allein die Nachfrage nach Flugbenzin sei dort innerhalb eines Jahres um 19,3 Prozent eingebrochen. Die Kraftstofflieferungen für Autos gingen um 5,3 Prozent zurück. Das düstere Bild in den Vereinigten Staaten sei auf die Finanzkrise, die hohen Ölpreise, die zerstörerischen Wirbelstürme und die Rezession zurückzuführen, erläuterten die IEA-Experten.

Die Ölstaaten reagieren mit Förderkürzungen auf die Marktschwäche. Nach Schätzung der IEA sank die Förderung der 13 Staaten des Ölkartells Opec im November um 760.000 auf 31,3 Millionen Fass pro Tag. Am 17. Dezember treffen sich die Opec-Ölminister in Algier. Dort soll auch über eine weitere Produktionskürzung um 1 bis 1,5 Millionen Barrel pro Tag gesprochen werden.

Angesichts der bevorstehenden Verknappung stiegen die Ölpreise am Donnerstag wieder etwas an. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Januar stieg auf 45,88 Dollar - 2,36 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Januar stieg um 2,69 Dollar auf 45,12 Dollar.

Trotzdem fiel der Preis für Rohöl der Opec. Ein Barrel aus den Fördergebieten des Kartells habe am Mittwoch 37,94 Dollar gekostet, teilte das Opec-Sekretariat am Donnerstag in Wien mit. Das seien 25 Cent weniger als am Dienstag.

suc/dpa-AFX



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