Abwanderung Fachkräfte-Schwund in Deutschland verschärft sich drastisch

Nach Berechnungen des Sachverständigenrats für Integration und Migration haben seit 2003 rund 180.000 Fachkräfte Deutschland verlassen. Dem Staat entgehen durch die Abwanderung Milliarden - die Chancen auf eine schnelle Überwindung der Rezession schwinden auch dadurch.


Berlin - Die Abwanderung von Fachkräften gilt in Deutschland seit langem als Problem - jetzt in der Weltwirtschaftskrise verschärft sich der Fachkräftemangel sogar noch: Nach einer Studie des Sachverständigenrats für Integration und Migration verlassen jährlich Zehntausende Fachkräfte Deutschland. Nur wenige kehrten zurück. Dabei sind die Auswanderer im Schnitt deutlich besser qualifiziert als die Erwerbsbevölkerung in Deutschland.

Schiffbau-Ingenieur in Hamburg: "Keine Willkommenskultur"
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Schiffbau-Ingenieur in Hamburg: "Keine Willkommenskultur"

Die Politik hat die Entwicklung nach Meinung des im Oktober 2008 gegründeten Rats lange verschlafen. "Die Firma Deutschland hat Personalprobleme", resümierte Ratsvorsitzender Klaus J. Bade am Dienstag in Berlin. "Wir haben keine Willkommenskultur." Und das habe verheerende Folgen: Wenn es jetzt nicht gelinge, die negative Wanderungsbilanz zu verbessern, werde der ohnehin harte Weg aus der Krise weiter erschwert, sagte Bade.

Seit 2003 sind laut Studie fast 180.000 Fachkräfte in andere Industriestaaten ausgewandert - dabei sind Deutsche, die aus dem Ausland zurückkehrten, schon rausgerechnet. Und das Problem verschärft sich zusehends: "Die Fortzüge deutscher Staatsangehöriger sind in den letzten Jahren rasant gestiegen", sagte Bade. Seit mehr als 15 Jahren übersteige die Zahl der Fortzüge diejenige deutscher Rückwanderer. Doch 2007 seien unterm Strich schon 55.000 Fachkräfte ausgewandert.

Besonders stark betroffen sei der Medizin-Sektor. So hätten im Jahr 2008 genau 3065 vorwiegend in Deutschland ausgebildete Ärzte das Land verlassen. Insgesamt praktizierten derzeit rund 19.000 deutsche Ärzte im Ausland. Gleichzeitig nehme in den neuen Bundesländern der Ärztemangel dramatischere Dimensionen an.

Dem Fiskus entgehen durch die Fortzüge Milliarden: Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts liegen die steuerlichen Folgekosten pro Arzt bei einer Million Euro. Die Berechnungen basieren auf der restlichen Lebensarbeitszeit eines Arztes - es wird also hochgerechnet, wie viel Geld dem Staat insgesamt entgeht, wenn ein Mediziner das Land verlässt und nicht wieder zurückkehrt. Auch wenn nur ein Drittel der Ärzte im Ausland bleibe, verlöre der deutschen Staat demnach allein für das Jahr 2008 knapp 1,1 Milliarden Euro - ohne Berücksichtigung der Ausbildungskosten.

Der Sachverständigenrat forderte die Regierung auf, so schnell und so konsequent wie möglich gegen den sich verschärfenden Brain-Drain vorzugehen. Deutschland brauche jetzt rasch ein flexibles, am Arbeitsmarkt orientiertes Zuwanderungssystem, hieß es.

Die benötigten Fachkräfte könnten beispielsweise nach einem Punktesystem ausgewählt werden, und um Hochqualifizierte müsse massiv geworben werden. Ausländische Bildungsabschlüsse müssten einfacher anerkannt werden. Wenn ein Feststoffphysiker Taxi fahre, sei das eine Verschleuderung von Humankapital. Deutschland müsse zudem darum werben, dass ausländische Absolventen deutscher Hochschulen hierblieben.

Der Sachverständigenrat, dem neun Wissenschaftler angehören, ist von acht führenden Stiftungen gegründet worden. Er ist von staatlichen Zuwendungen unabhängig und will die Politik kritisch begleiten.

ssu/dpa



Forum - Fachkräftemangel - ist Deutschland selbst schuld?
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Seite 1
kdshp 02.02.2009
1.
Zitat von sysop"Der Meister der Zukunft ist ein Türke" - so wirbt der Zentralverband des Deutschen Handwerks für eine verbesserte Ausbildung junger Deutscher mit ausländischen Eltern. Experten halten eine solche Initiative für überfällig - wird zu wenig für Integration getan?
Hallo, ui 2 themen auf einmal (fachkräftemangel und integration).
H.Ehrenthal, 02.02.2009
2.
Zitat von sysop"Der Meister der Zukunft ist ein Türke" - so wirbt der Zentralverband des Deutschen Handwerks für eine verbesserte Ausbildung junger Deutscher mit ausländischen Eltern. Experten halten eine solche Initiative für überfällig - wird zu wenig für Integration getan?
Warum soll dieses ominöse "Deutschland" Schuld sein? Es sind immer und immer wieder die vertrottelten Politiker und Wirtschaftsbonzen! Und: Was zur Hölle hat der verordnete Facharbeitermangel mit einer Integration zu tun? Hier werden zwei Sachen miteinander verquickt, die nicht das Geringste mit der Fragestellung zu tun haben. Jungejunge!
Wallenstein, 02.02.2009
3.
Zitat von sysop"Der Meister der Zukunft ist ein Türke" - so wirbt der Zentralverband des Deutschen Handwerks für eine verbesserte Ausbildung junger Deutscher mit ausländischen Eltern. Experten halten eine solche Initiative für überfällig - wird zu wenig für Integration getan?
Es wird sehr viel für Integration getan. Es ist auch eine Frage des sich integrieren lassen wollens. Vietnamesen haben keine Probleme. Bei Türken gibt es große Probleme. Also kann es nicht an der Integrationspolitik liegen, sondern an der Frage, ob man sich integrieren lassen will. Als in der Fortbildung Tätiger, stelle ich fest, dass die Türen allen offen stehen. Braucht dieses Land Fachkräfte, sollte es sich diese aus Ländern holen, die kulturell uns nahe stehen. Nord- oder Südamerika. Alles andere führt nicht zum Ziel.
Rainer Eichberg 02.02.2009
4.
Zitat von sysop"Der Meister der Zukunft ist ein Türke" - so wirbt der Zentralverband des Deutschen Handwerks für eine verbesserte Ausbildung junger Deutscher mit ausländischen Eltern. Experten halten eine solche Initiative für überfällig - wird zu wenig für Integration getan?
Solange in einer Stellenanzeige nicht steht... "Wir freuen uns besonders über Bewerbungen von Frauen, Behinderten und Migranten" ...geht das doch in Ordnung. Außerdem finde ich, daß es eine Selbstverständlichkeit sein sollte, daß Migranten hier bei uns einen Meisterlehrgang machen. Was jedoch nicht passieren sollte: Meisterlehrgänge in mehrsprachiger Ausführung, weil die Teilnehmer nicht der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig sind.
H.Ehrenthal, 02.02.2009
5.
Zitat von kdshpHallo, ui 2 themen auf einmal (fachkräftemangel und integration).
Hatte ich auch bemängelt. Wurde gekillt. Sie müssen dafür sein!
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