Abzocke Abrechnungsbetrug bei Privatpatienten alarmiert Versicherer

Überhöhte Rechnungen, unnötige Behandlungen: Nach SPIEGEL-Informationen kassieren Ärzte, Therapeuten und Kliniken bei Privatpatienten ab. Die Versicherungen sind machtlos - und sehen das Geschäftsmodell ihrer gesamten Branche bedroht.


Hamburg - Die privaten Krankenversicherungen (PKV) beklagen nach SPIEGEL-Informationen, dass immer mehr Ärzte, Therapeuten und Kliniken ihren Mitgliedern zu viel Geld abzunehmen versuchen. Die Versicherer würden in bis zu jeder zehnten Rechnung auf unplausible Positionen stoßen.

Zahnarzt bei der Arbeit: Unplausible Positionen in jeder zehnten Rechnung
DPA

Zahnarzt bei der Arbeit: Unplausible Positionen in jeder zehnten Rechnung

Ärzte, Therapeuten und Krankenhäuser haben nach Befürchtungen der Versicherer in den Privatpatienten eine neue Möglichkeit gefunden, ihre Einnahmen aufzubessern.

Insgesamt rund 8,5 Millionen Deutsche sind privat versichert. Im Gegensatz zu gesetzlich versicherten bekommen sie bei Behandlungen Goldzähne, Kuren und Chefarztbehandlungen anstandslos erstattet. Der Verdacht: Weil die Honorare für die Behandlung einfacher Kassenpatienten gedeckelt sind, kassieren die Ärzte nun immer öfter bei den privat Versicherten ab.

Demnach verzeichnet die PKV einen medizinisch nicht nachvollziehbaren Anstieg von angeblich besonders schweren Behandlungen. In der Regel darf der Arzt dafür das 2,3-fache des Grundpreises verlangen. Bei schweren Fällen ist sogar das 3,5-fache drin. Ein weiterer Trick sei die Ausgründung von Pseudo-Privatkliniken an normalen Plankrankenhäusern. Laut PKV entsteht allein hierdurch ein jährlicher Schaden von 100 Millionen Euro.

Die Versicherer sehen durch die Tricksereien das Geschäftsmodell der gesamten Branche bedroht: Sie zweifeln daran, dass sie künftig überhaupt noch Kunden werben können, wenn diese sich ständig über horrende Arztrechnungen ärgern.



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