Ärger beim DIW: Rürup lässt es rumpeln
Bert Rürup war einst der einflussreichste Ökonom Deutschlands. Heute ist er Unternehmer und baut nebenbei das Forschungsinstitut DIW nach seinem Geschmack um. Sein selbstbewusster Stil sorgt dort nun für Ärger, ein renommierter Wissenschaftler soll seinen Posten verlieren.
Hamburg - Bert Rürup sorgt für Zoff beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Rürup, Chef des Kuratorium genannten Aufsichtsgremiums, hat einen Brief an den Vorstand des Forschungsinstituts geschrieben. Darin schreibt er, Tilman Brück, der renommierte Leiter der Abteilung Entwicklung und Sicherheit, leiste zwar wissenschaftlich Hervorragendes. Sein persönlicher Output sei jedoch "randständig", die Vernetzung mit anderen Abteilungen unzureichend.
Deshalb, so fordert Rürup in dem Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, solle der Abteilungsleiter nach dem Ende seines Vertrages 2014 abgelöst werden. Es sei "wichtig, die Abteilung mittelfristig zu schließen und statt dessen eine neue Abteilung Weltwirtschaft einzurichten". Das hätte man ja bereits diskutiert, außerdem sei es auch die Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats.
Doch just aus diesem Gremium bekommt der einstige Berater der Regierungen Schröder und Merkel nun heftigen Gegenwind. "Der Beirat hat sich nie gegen Brück ausgesprochen, das stimmt einfach nicht", sagt einer, der namentlich nicht genannt werden möchte. Der Abteilungsleiter sei "einer der fähigsten Wissenschaftler, die wir haben" und Rürup versuche nun, "ihn abzuschießen, weil er nicht in die Richtung passt".
"Kompetenzen überschritten"
Auch bei anderen Wissenschaftlern, die dem DIW nahestehen, regt sich Unmut. "Rürup hat seine Kompetenzen überschritten", schimpft einer. Aufgabe des Kuratoriums sei es, den Vorstand zu kontrollieren und zu beraten - nicht aber selbst aktiv zu werden. Der Ex-Wirtschaftsweise Rürup allerdings habe den Vorstand mit ihm genehmen Leuten besetzt und diktiere nun, wie das Institut geführt werden soll.
Rürup weist die Vorwürfe als "Blödsinn" zurück. Er habe seine Kompetenzen nicht überschritten. Es sei Aufgabe des Kuratoriums, künftige Forschungsschwerpunkte zu bestimmen. Das beinhalte auch die Schließung von Abteilungen. Brücks wissenschaftliche Leistungen habe er auch in seinem Brief gelobt. "Mir geht es darum, dass das DIW unbedingt eine Abteilung Weltwirtschaft braucht." Das habe auch der Wissenschaftliche Beirat immer wieder gefordert.
Doch warum darf Brück diese Abteilung nicht anführen? Rürup sagt, er habe mit dem Forscher gesprochen und dieser wolle das nicht machen, es sei nicht sein Fachgebiet. Brück selbst sagte SPIEGEL ONLINE, er wolle zu der Angelegenheit nicht Stellung nehmen.
Für seine rund 20 wissenschaftlichen Mitarbeiter wäre die Schließung der Abteilung tragisch: Sie sind nahezu ausschließlich mit Zeitverträgen angestellt und müssten ihre teilweise mehrjährigen Forschungsprojekte abbrechen. Brücks Abteilung machte sich unter anderem mit der Kalkulation der wirtschaftlichen Kosten des Afghanistan-Krieges einen Namen.
Der Zoff kommt für das DIW zur Unzeit. Das Institut befindet sich mitten in der Evaluation durch die Leibniz-Gesellschaft. Das bedeutet konkret: Seit Donnerstag sind die Geldgeber zu Gast. Sie lassen sich über den wissenschaftlichen Output informieren - und bewerten Qualität und Quantität.
Eigentlich war nicht geplant, dass Rürup an der Evaluation teilnimmt. Doch in seinem Brief an den Vorstand weist er ganz zum Schluss darauf hin, dass er am Freitagmorgen "ein persönliches Gespräch mit der Bewertungsgruppe haben werde".
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