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Ärger um Lebensmittel: Gastwirte täuschen Kunden mit Schinkenimitat aus Stärke-Gel

"Schnittfestes Stärke-Gel mit kleinen Fleischstückchen": Bei Hunderten Kontrollen in Hessen sind Restaurants und Hersteller aufgeflogen, die Imitate als echten Kochschinken ausgegeben haben. Verbraucherschützer sprechen von einer üblen Täuschung und drohen mit dem Strafrecht.

Frankfurt am Main - Es ist nach dem Skandal um Analogkäse der nächste unangenehme Fall für die Lebensmittelbranche: Denn das hessische Verbraucherschutzministerium warnt vor sogenanntem "Mogelschinken": Wer eine Pizza mit Schinken bestelle, bekomme häufig gar kein Gericht mit echtem Schinken serviert.

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Echter Kochschinken: Immer häufiger wird stattdessen Imitat serviert

Immer häufiger sei festzustellen, "dass in den Gaststätten ein minderwertiges Produkt als angeblicher Kochschinken serviert wird", sagte Verbraucherschutzstaatssekretär Mark Weinmeister am Freitag dem Sender HR-Info. Bei rund 68 Prozent aller in der Gastronomie entnommenen Proben sei nicht richtiger Kochschinken, sondern ein künstlich hergestelltes Imitat verarbeitet worden. Insgesamt wurden seit 2006 528 Proben bei Gastronomen, Herstellern und Händlern genommen.

Das billige Schinkenimitat bestehe zum großen Teil "aus schnittfestem Stärke-Gel, in das kleine Fleischstücke eingebettet sind", sagte Weinmeister. Der Fremdwassergehalt sei im Vergleich zu echtem Schinken sehr hoch, der von tierischem Eiweiß hingegen extrem niedrig.

"Das ist üble Verbrauchertäuschung", sagte Weinmeister dem Sender. "Wer Mogelschinken ohne ausreichende Kennzeichnung in Verkehr bringt, begeht zumindest eine Ordnungswidrigkeit. Bei nachgewiesenem Vorsatz liegt sogar eine Straftat vor." Weinmeister kündigte ein hartes Durchgreifen der Lebensmittelkontrolle an. Jedem, der das Imitat wiederholt ohne korrekte Kennzeichnung verwende, drohe die Veröffentlichung seines Namens im Internet.

Im April war im Zuge der Proteste der Milchbauern bekannt geworden, dass bei vielen vermeintlichen Käseprodukten nur Käseimitate - sogenannter Analogkäse - verwendet werden, die sowohl vom Aussehen als auch vom Geschmack oder von der Konsistenz her nicht von echtem Käse zu unterscheiden sind.

Die Verwendung solcher Imitate ist in Deutschland nicht verboten, allerdings dürfen sie nicht unter der Bezeichnung "Käse" verkauft werden und müssen besonders deklariert werden. Die Herstellung von Imitaten ist meist einfacher, schneller und billiger als die der echten Produkte.

beb/AP/AFP

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