Ärzte-Pfusch Tausende Patienten klagen über Behandlungsfehler

Patienten wehren sich immer häufiger, wenn sie sich falsch behandelt fühlen. Laut Presseberichten wurden im vergangenen Jahr 10.432 Beschwerden gegen Ärzte eingereicht - 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Fehler passierten bei Hüft- und Kniegelenksoperationen.


Berlin - Patienten sehen ihre Ärzte immer kritischer: Zeitungsberichten zufolge setzen sie sich immer häufiger zur Wehr, wenn sie den Verdacht eines Behandlungsfehlers haben. So nahm die Zahl der Beschwerden wegen möglicher Fehler des Arztes im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent auf 10.432 zu, berichten die "Bild"-Zeitung und die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf die Bundesärztekammer. 2006 seien 10.280 solcher Begutachtungsanträge eingegangen.

Die ärztlichen Prüfstellen trafen den Angaben zufolge im Jahr 2007 insgesamt 7049 Sachentscheidungen, schreibt die "FR" weiter. Bei knapp einem Viertel davon, in 1717 Fällen, seien Behandlungsfehler oder Mängel bei der Risikoaufklärung der Patienten nachgewiesen worden, die "ursächlich für einen Gesundheitsschaden" gewesen seien. In diesen Fällen hätten sich nach Angaben der Ärztekammer für die Patienten Ansprüche auf Entschädigung ergeben.

Am häufigsten kommt es der "Bild" zufolge bei Hüft- und Kniegelenksoperationen zu Fehlern. 228 Mal hätten die Gutacher Patienten Recht gegeben, die wegen Hüftgelenksarthrose in Behandlung waren, 194 Mal habe es Schadenersatz wegen einer fehlerhaften Behandlung bei Kniegelenksverschleiß gegeben.

"Was die Schlichtungsstellen veröffentlichen, ist nur die Spitze eines Eisberges", sagte Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, in der "FR". Viele Behandlungsfehler würden gar nicht erst begutachtet, "weil es schwer ist, zweifelsfrei festzustellen, dass ein Fehler vorliegt". Auch berichteten viele Patienten, dass es "ganz schwierig" sei, unabhängige Gutachten zu bekommen.

wal/AP/ddp



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