SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

27. April 2016, 13:13 Uhr

"Deutschland sagt Sorry"

Fake-Ministerium entschuldigt sich für Agenda 2010

Das Künstlerkollektiv "Peng!" hat wieder zugeschlagen. Ihr Opfer diesmal: das Bundesarbeitsministerium.

Nicht nur auf den ersten Blick sieht die Seite echt aus: oben links ein Bundesadler, daneben die Farben Schwarz-Rot-Gold und die Aufschrift "Bundesministerium für Arbeit und Soziales", unten ein Porträt von Bundespräsident Joachim Gauck.

Erst wenn man nach oben rechts schaut, entdeckt man einen Satz, den man auf der Homepage eines Bundesministeriums nie erwarten würde: "Deutschland sagt Sorry!"

Eine Fake-Seite im Internet entschuldigt sich im Namen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bei den "Leidtragenden der Agenda 2010" für das Reformpaket. "Ihre Opfer und ihre Entbehrungen sollen nicht vergessen sein", heißt es in einem eingebetteten YouTube-Video, das den Kern der Seite bildet.

Ein Mann in einem schwarzen Anzug mit adrett zum Seitenscheitel gekämmten Haaren bedankt sich bei den "Verliererinnen und Verlierern der Reform" - und bietet ihnen ein handsigniertes Entschuldigungsschreiben von Bundespräsident Joachim Gauck an.

Das Video zeigt außerdem Einzelschicksale: eine alleinerziehende Mutter, die arbeitet und trotzdem beim Jobcenter aufstocken muss. Ein Fremdsprachenkorrespondent, den das Jobcenter zu einer Reinigungsfirma in eine andere Stadt schickt. Dazwischen werden Statistiken eingeblendet: 2,6 Millionen Kinder lebten in Armut, 24 Prozent arbeiteten im Niedriglohnsektor.

Laut Internetregistrierung steckt hinter der Seite das Künstlerkollektiv "Peng!". Nach eigenen Angaben der Künstler entstand das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Theater Dortmund. Die Kooperation nennt sich "Die Populistinnen".

Es ist nicht der erste Streich der Berliner Aktionskünstler. Im April 2015 kaperten sie das Foyer des Energiekonzern Vattenfall in Berlin und verkündeten in dessen Namen bei einer inszenierten Pressekonferenz, dass der Konzern Verantwortung für die Lausitz übernehmen würde. Sie versprachen einen Ausstieg aus der Kohleenergie und hundertprozentigen Umstieg auf erneuerbare Energien.

Im Februar bewarf ein Aktivist der Gruppe die AfD-Politiker Beatrix von Storch und Albrecht Glaser mit einer Sahnetorte, während ein zweiter Aktivist die Aktion filmte.

asa

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung