Aggressive Kreditwerbung Verbraucherschützer rügen Media Markt und Co

Nur elf Euro für die Spielkonsole? 55 Euro für den Fernseher? Wegen aggressiver Werbung mit Kreditraten und dem nur kleingedruckten Endpreis rügen Verbraucherschützer drei Elektromärkte. Solche Anzeigen würden zum Schuldenmachen verführen.


Düsseldorf - Verbraucherschützer wollen gegen die aggressive Werbung von Elektromärkten mit der monatlichen Kreditrate anstelle des Kaufpreises vorgehen. Die Hervorhebung der Monatsrate verführe die Käufer zum Schuldenmachen, kritisierte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen am Montag. Endpreise seien im Prospekt oft deutlich kleiner gedruckt. Die Verbraucherzentrale rügte damit das Vorgehen von Anbietern wie Media Markt, Saturn und ProMarkt.

Elektromarkt (in Duisburg): "rotfette Preise von gerade mal 11 bis 55 Euro"
DPA

Elektromarkt (in Duisburg): "rotfette Preise von gerade mal 11 bis 55 Euro"

Verbraucherjuristin Beate Wagner drohte mit Abmahnung wegen Wettbewerbsverstoßes. Laut Preisangabenverordnung seien stets die Endpreise und nicht die jeweiligen Monatsraten hervorzuheben.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bemängelte besonders einen ProMarkt-Prospekt von Anfang Januar: "Alle 24 Markenartikel, von der Xbox-Konsole über den Kaffeevollautomaten bis zum 50-Zoll-Plasmafernseher, glänzten mit rotfetten Preisen von gerade mal 11 bis 55 Euro", hieß es. "Erst auf den zweiten Blick wurde deutlich: Hervorgehoben waren, mit Sternchen, die Preise der Monatsraten." Der "Abhol-Barpreis" sei deutlich kleiner gedruckt, kritisierten die Experten. Er liege von 264 Euro für Rasierer bis 1320 Euro für Fernseher.

Eine Sprecherin der Media-Saturn-Holding sagte SPIEGEL ONLINE, entsprechende Kreditaktionen habe es bei Media Markt und Saturn schon häufiger gegeben. Die Märkte treten dabei "lediglich als Vermittler für Finanzierungen" auf, über eine Kreditvergabe entschieden "allein die Banken". Die Kreditaktionen seien "neben Bar- und EC-Kartenzahlung" ein weiterer, zusätzlicher Zahlungsweg. Die Sprecherin betonte, im aktuellen Media-Markt-Prospekt würden die Produktendpreise angegeben. Der Ratenpreis werde bei ausgewählten Produkten als zusätzliche Information angegeben.

Ein ProMarkt-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, die "Auslobung des Ratenpreises für ein Produkt" sei nicht nur im Bereich der Unterhaltungselektronik seit Jahren gängige Praxis. "Daher können wir die Auffassung der Verbraucherzentrale NRW, die Hervorhebung der Monatsrate verführe zum Schuldenmachen, anhand der uns bisher bekannten Argumente nicht nachvollziehen." Er sicherte jedoch zu, die Rewe-Tochter ProMarkt werde, sollte das Unternehmen gegen geltendes Recht verstoßen, dies "umgehend prüfen und gegebenenfalls Korrekturen vornehmen".

Die Elektrodiscounter werben derzeit nicht nur mit niedrigen Raten, sondern auch mit "Null-Prozent-Finanzierungen" und bequemen Kreditlaufzeiten von 30 Monaten. Ratenkredite sind einer der häufigsten Ursachen, weshalb Privathaushalte in die Pleite schlittern. Tatsächlich ist ein zinsloser Kredit nur dann wirklich umsonst, wenn nicht anderswo ein teurer Dispokredit aufgenommen werden muss, um die Raten zahlen zu können.

Die Herausstellung der kleinen Raten verführe die Kunden ganz massiv, "sich blenden zu lassen und in die Schuldenfalle zu tappen", kritisierte die Schuldnerberaterin der Verbraucherzentrale NRW, Stefanie Laag. Auch die ProMarkt-Konkurrenten Saturn und Media Markt hätten solche "Verführ-Prospekte" gedruckt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Elektromärkte wegen ihrer Werbung Ärger mit Verbraucherschützern bekommen. Vor zwei Jahren zum Beispiel warb Media Markt mit dem Slogan "Der beste Preis der Stadt" - Preisvergleiche ergaben aber, dass in vielen Fällen Fach- und Internet-Händler das Produkt günstiger anboten als Media Markt. Mehrere spätere Vergleiche führten ebenfalls zu diesem Ergebnis. Ebenso geriet die Kette in die Kritik von Verbraucherschützern, weil sie Produkte in Anzeigen mit dem Zusatz "nur heute" bewarb, die Produkte aber schon nach zwei Stunden, vielfach sogar noch früher ausverkauft waren.

kaz/dpa



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